Unterkunft
SunriseSunset
Busfahrpläne für die Strecke vom Hotel zum Flughafen. Der Flieger startet Tromsø um 12:20 Uhr.
Routine beim Aufbruch zum Flughafen. Fast. Auch hier wieder erhebliche Kommunikationsschwierigkeiten mit dem Busfahrer. Ich sagte, ich wolle zum Flughafen. Er murmelte etwas unverständliches, bis ich dann verstand, dass er ja gar nicht bis zum Flughafen fährt und ich unterwegs umsteigen muss. Das war mir natürlich klar. Er meinte dann, das kostet 50 NOK. <zähneknirsch> Im Bus von Giæverbukta zum Flughafen musste ich dann noch mal 50 NOK blechen. Ca. 10 € zusammen, das ist ganz schön happig. Und ich bin mir ziemlich sicher, dass ich früher schon mit einer Fahrkarte, und zwar deutlich billiger, die beiden Streckenabschnitte bewältigen konnte. Aber soll ich mich jetzt da mit den Busfahrern anlegen, bringt ja nix. Einchecken am Flughafen ging flott, bei der Security muss man nun mit der Bordkarte zur eigentlichen Sicherheitsüberprüfung durch einen Automaten durch. Wieder Personal eingespart. Arbeitet da in 10 Jahren überhaupt noch einer?
Im Gate war ich unter den Ersten, es war noch gähnend leer, was sich aber ruckzuck änderte. Wie auch in den Jahren davor herrschte bald ein großes Hallo, viele Leute scheinen sich schon dort für den PolarJazz zu treffen. Zum Glück bin ich an der hinteren Treppe am Flieger eingestiegen, mich deuchte der Sitzplatz 30E könnte doch eher im letzten Drittel liegen, es war die drittletzte Reihe. Der Mittelplatz ist undankbar, eingequetscht wie eine Sardine kommt man sich da vor. Der Sitznachbar am Fenster tat so als ob er lesen würde, schlief aber noch vor dem Start ein.
Beim Einchecken im „Radisson Blu Polar Hotel“ meinte der Rezeptionist, „Oh, ein Upgrade von den 'Coal Miners’ Cabins'“. Ja, so ist das. Die Einweisung was man wann wo alles im Hotel machen kann dauerte eine halbe Ewigkeit. Wie ich schon vorher auf der Homepage des Hotels gesehen hatte, hat sich eine Menge verändert. Dort wo 2015 noch die PolarJazz Abende begannen ist jetzt ein Restaurant bzw. der Frühstücksraum. Selbst die „Barentz Pub & Spiseri“ wurde umgebaut. Die neue Außenterrasse ist jetzt zu der Jahreszeit nicht so spannend.
Das Zimmer ist natürlich kein Vergleich zu denen in den „Coal Miners’ Cabins“, was kein Wunder ist, kostet es hier im „Radisson Blu Polar Hotel“ auch ungefähr doppelt so viel.
Was das „Vorspiel“ bringen würde, ich hatte keine Ahnung. Bis zuletzt war auf der Homepage auch nichts zu lesen. Kurz vor Konzertbeginn traf ich im Kulturhuset ein, im Foyer war nicht all zuviel los, aber im Saal hatten doch schon jede Menge Leute Platz genommen. Wie jemand treffend feststellte, „dette er en sitteplats konsert“, ja, das ist ein Sitzplatz-Konzert. Das Publikum war etwas gesetzteren Alters. Ganz pünktlich ging es nicht los. Festivalchef Lasse S. Hansen sprach ein paar einleitende Worte, was ich verstanden hatte war, dass es nicht einfach war, das Festival wieder auf die Beine zu stellen. Und er an dieser Stelle einer ganz bestimmten Person dankte, ein jüngerer Mann, der auch im Publikum saß.
Was dann folgte war ein Ritt durch vielfältige Musikgenre, involviert waren viele Leute, darunter ein 17-köpfiger Frauenchor, aber auch Solisten. Geboten wurde, was ich mal als norwegisches Liedgut bezeichnen würde, der Vortrag eines Gedichts, begleitet von einem zurückhaltenden Klavier. Der ortsansässige „Store Norske Mandskor“ brachte erst etwas was ich als Bergmannslied bezeichnen würde und dann ging voll die Post ab, es rockte und fetzte, cool.
Ein junges Mädchen sang ein Stück auf Englisch, da blieb einem die Spucke weg, was für eine Stimme und mit einer Coolness und Leichtigkeit vorgetragen, wie wenn sie ihr Leben lang nichts anderes gemacht hätte. Das wurde auch mit tosendem Applaus bedacht. Ein weiteres Highlight war Prince' „Puple Rain“, das Guitarrensolo war göttlich, Szenenapplaus. Und eine andere junge Frau fing an zu singen, da klappte einem einfach nur die Kinnlade runter. Ein Stück von Aretha Franklin („Respect Yourself“), sie sang das mit einer Inbrunst, toll. Leider versagte plötzlich ihr Mikro, sie sang aber unbeirrt weiter. Das neue Mikro gab auch den Geist auf. Das Publikum war komplett aus dem Häuschen. Es rief „ennå“, was ich mal als „Zugabe“ interpretierte. Auch nach der Zugabe tosender Applaus, wohl verdient! Note für das heutige Konzert 10/10.