Die Erlebnisse als Hörbuch



Sa 27.01.2024 Hahnstätten – Puttgarden – – Rødbyhavn – Helsingør

Das lief ja wie am Schnürchen heute. Abfahrt Punkt 07:00 Uhr. Ankunft 18:xx Uhr.

Schon der erste Einschub: Ich sitze im Skum (spricht sich Schkum), habe gerade das Schreibgerät ausgepackt, das Bierchen zischt und es spielt „Prince“ mit „Kiss“, das macht einen gerade mal ca. 30 Jahre jünger, herrlich. Einschub Ende.

Das Wetterchen war wirklich perfekt, blauer Himmel, ziemlich frisch um die Nase, irgendwas um unter 0 °C zu Hause. Da bestand ja eine Chance die frisch hergerichtete Reisschüssel sauber über den ersten Reisetag zu bringen. In der Bäckerei meines Vertrauens noch mit ein paar leckeren Backwaren versorgt und los geht es. Auf der Autobahn ist eher wenig los, es läuft. Kurz vor Bremen eine Anzeige das man wegen Stau eine Umleitung fahren soll, die Ausfahrt für die Umleitung folgte wenige Meter danach. Blinker raus und runter von der [A1]. Keine Ahnung ob es notwendig gewesen war, aber die Umleitung war komplett per Autobahn. Wieder auf der [A1] zurück lief alles flüssig weiter.

Und im Übrigen wurde heute „FluxFM“ serviert, zuerst „Berlin Beach House Radio“, dann „Clubsandwich“, „FluxLounge“ war mir etwas zu ruhig, nach einer Stunde ging es weiter zu „Techno Underground“, sehr angenehm.

Statt der gebuchten Fähre um 16:xx Uhr konnte ich die um 15:20 Uhr nehmen. Auf dem Weg nach Puttgarden sah man schon deutlich mehr Bauarbeiten als im letzten Jahr. Links und rechts der Straße waren fast alle Sträucher und Bäume gefällt, radikal. So genau habe ich es nicht mehr in Erinnerung wie weit vor dem eigentlichen Tunneleingang die Straße schon verändert wird. Aber die Autobahn endet ja schon einige Kilometer vor der Küste, würde ja Sinn machen den Rest auch noch auszubauen.

Das Ent- und Beladen der Fähre geht ja wie am Fließband. Was ich immer wieder bemerkenswert finde ist, dass selbst wenn man mit dem Auto relativ früh auf der Fähre ist und man dann die Treppe vom Autodeck nach oben marschiert man bereits Leute trifft die mit mehreren Paletten Bier bestückt sind. Aus Neugier bin ich auch mal in den Bordshop gegangen aber es gab kein Tuborg Weihnachtsbier mehr, schade.

An der deutschen Küste waren nur wenige Bauarbeiten zu erkennen, näherte man sich der dänischen Küste sah das ganz anders aus. Das waren riesige Flächen auf denen große Gebäude standen, auch Freiflächen, die aber für irgendwas vorbereitet aussahen.

Auch auf dänischer Seite gab es keine Stockungen, alles war im Fluss. Das Hotel war schnell angefahren, ein temporärer Abstellplatz für das Wägelchen nicht unweit des Hotels flugs gefunden.

Einschub: Als ich im Skum einlief war ich der fünfte Gast. So langsam treffen mehr Leute ein, es ist Samstagabend, 20:30 Uhr, also noch sehr früh. Das erste Bier neigt sich schon dem Ende, so wirklich vom Hocker hat es mich nicht gerissen. Da sollte aber nun das nächste ein Treffer sein. Einschub Ende.

Kurzer Check der Wettervorhersage für die nächsten Tage. Ein Trauerspiel. Morgen soll es in Sunne +4 °C werden, bin mal gespannt wie dort die Schneelage ist und ob der See (noch) zugefroren ist. Für Östersund sieht es auch nicht besser aus, ebenfalls über dem Gefrierpunkt, zumindest lockt ein Sonnensymbol am späten Nachmittag. Wenn ich Glück habe lugt also noch die Sonne haarscharf über den Horizont während ich einmal auf der Eisstraße fahre, wenn es die Eisstraße denn überhaupt gibt. Oah nee, auch für Jokkmokk sind immer noch Temperaturen über Null vorhergesagt, das ist doch nicht möglich. Weiter gucke ich jetzt nicht sonst drehe ich heute Abend noch um und fahre wieder nach Hause.

Im Gegensatz zum letzten Jahr konnte ich mein Wägelchen auf einem exklusiven Parkplatz abstellen, in einem abgeriegelten Hinterhof wo das Hotel Stellplätze angemietet hat. Ich bin mir gar nicht mehr sicher, hat das eigentlich extra gekostet? Ich glaube nicht. Egal.

Nun also ein „IPA“, die Nummer 5. Sagen wir so, letztes Jahr hatte ich mit meiner blinden Wahl mehr Glück.

Einschub: Das Saltfjellet ist gesperrt, die WebCams zeigen, naja, nicht viel, mehr oder weniger heftiges Schneegestöber. Einschub Ende.

Obwohl der Laden noch längst nicht voll ist herrscht hier ein Geräuschpegel wie im Fußballstadion. Ich glaube im letzten Jahr hatte ich schon festgestellt, dass das Durchschnittsalter der Gäste vermutlich nur halb so hoch ist wie meines, vielleicht sogar noch jünger. Aber darüber sollte ich mir keine grauen Haare wachsen lassen.

Was hat es nun mit den Zahlen 111.111 / 7,3 / 94,8 auf sich?

111.111 - Den Kilometerstand habe ich heute überschritten.
7,3 - Durchschnittlicher Verbrauch pro 100 km, historisch niedriger Wert.
94,8 - Durchschnittliche Geschwindigkeit, so schnell war ich glaube ich auch noch nicht.

und das ganze bei Tempomat 109 km/h.

Die Zeit 21:35 Uhr. Der Tag war zwar recht entspannt aber doch lange, Zeit so langsam die Zelte abzubrechen.


So 28.01.2024 Helsingør – – Helsingborg – Sunne

Die Fähre habe ich sehr früh angefahren (07:30 Uhr) und musste noch etwas warten. Mein Ticket wurde am automatischen Ticketschalter nicht erkannt, plöde Technik. Die Überfahrt vergeht wie im Flug. Von der Fähre fuhr ich als vorletzter runter, da schwante mir schon mal nix gutes. Sicher steht jetzt das ganze Schiff am schwedischen Zoll und wird bis ins letzte Fach auseinander genommen. Aber nein, alle Autos wurden durchgewunken und nur 2-3 hatten wohl eine wenige Sekunden dauernde Befragung seitens der Zöllnerin. Auch ich wurde freundlich durchgewunken. Auf der Autobahn war so früh noch nicht viel los, wie eigentlich immer in den letzten Jahren.

Das Wetter war durchwachsen, grau in grau, aber trocken. Das änderte sich auch nicht als es auf den Inlandsvägen abging. Ab und zu konnte man ein paar winzige Schneereste erhaschen, ansonsten alles braun und blass grün in der Landschaft. Es war durchaus was los auf der Straße, aber auf der entgegenkommenden Spur. Dort sah man sehr viele Fahrzeuge mit Dachboxen, es nahm gar kein Ende. An gewohnter Stelle, zur passenden Zeit nahm ich ein leichtes Mittagessen ein, tanken wollte ich noch nicht, es gab keinen 98er Saft.

Ganz langsam lag mehr Schnee in der Landschaft und auf dem letzten Viertel lag auch im Wald noch Schnee. Der Vänern war auch zugefroren, so ich es aus den Augenwinkeln sehen konnte. Ich wüsste nicht, dass ich das schon mal gesehen hätte. Auch der untere und der obere Fryken sind zugefroren, es lag sogar noch Schnee drauf.

Am Hotel kam ich kurz vor 16 Uhr an, hell genug mich mit der Drohne mal ans Seeufer unten am Hotel zu stellen und ein paar Runden zu drehen. Dusselig wie ich bin habe ich aber nur beim ersten Flug auch korrekt aufgezeichnet. Später habe ich ausgeschaltet wenn ich eigentlich einschalten wollte. Herr lass Hirn regnen.

Da das Restaurant im Hotel am Sonntag wieder geschlossen hat bin ich zurück nach Sunne gefahren und war im „City“ eine Pizza essen. Ich erinnere mich dort auch letztes Jahr vorbei gelaufen zu sein. Keine Ahnung warum ich nicht reinging. Das war recht groß und man konnte einfach aber nett sitzen. Die Pizza stand flott und heiß auf dem Tisch, lecker war sie auch, zu trinken gab es nur ein Ramlösa. Alkohol wollte ich keinen trinken, wie der Teufel es will wird man von den fleißigen schwedischen Beamten mal angehalten und darf pusten. Nee, nee, das ist es mir nicht wert.


Mo 29.01.2024 Sunne – Östersund

Und schon der erste Einschub: Auch wenn es das „Jämtsland IPA“ nicht vom Fass gibt, aber es ist ein lokales Bier und das sollte gewürdigt werden. Ja, das kann man wohl trinken.

Also was war das heute für ein Tag? Das Frühstück war wieder ausgesprochen reichhaltig und das obwohl nur so wenige Gäste da waren, außer mir gerade mal noch zwei Erwachsene mit Kind. Der Weg über die Treppe zum Auto war recht gut präpariert, schon früh am Morgen hatte man einen Bagger rumoren gehört der auch den Weg hinter dem Hotel bearbeitet hatte und man sah frischen Split, also da wäre ich auch von dort sicher gut nach oben auf die Straße gekommen. Den kleinen Ausflug zum Aussichtsberg „Tossebergsklätten“ habe ich mir gleich in die Haare geschmiert, man konnte froh sein, dass der Inlandsvägen so gut präpariert war, die Seitenstraßen die man so vorbei fliegen sah boten teilweise einen anderen Zustand. Da sah man das blanke Eis schimmern, nichts für mich.

So beschränkte ich mich den kleinen Aussichtsplatz direkt am Inlandsvägen anzusteuern und mal den Blick schweifen zu lassen. Die Drohne zu starten habe ich mich allerdings nicht getraut, direkt an der Straße wäre das keine gute Idee, zumal meine Steuerungskünste noch zu wünschen übrig lassen.

Dann plätschert die Fahrt so vor sich hin, der Himmel weiter grau in grau, teilweise sogar richtig düster werdend. An einem Platz wo ich auch schon oft dachte warum halte ich hier nicht mal an und gucke mich um wurde nun angesteuert. Und wie ein Wunder brach sich unmittelbar die Sonne den Weg durch ein klitzekleines Loch in den Wolken und flutet das ganze Geschehen. Einfach wunderbar.

Wieder ins Auto und weiter. Schnee lag schon viel in der Landschaft, da konnte man nicht klagen, aber er war schon recht angefressen und auf den Bäumen lag auch kein Krümel mehr, aber, es wird nicht gemeckert, nein. Dann, konnte das wirklich sein, konnte man da in der Ferne wirklich so etwas wie blauen Himmel sehen? Ja, doch. Langsam nähere ich mich Mora und es kommt immer mehr blauer Himmel zum Vorschein.

Der Parkplatz in der Nähe des Bahnhofs wird zielsicher angefahren, er ist erstaunlich leer, noch keine Handvoll Autos stehen dort. Und auf dem Eis ist auch fast gähnende Leere, ich erkenne drei Leute. Der Stand des Skiclubs war auch nicht vor Ort. Sowohl der Parkplatz als auch der Weg zum zugefrorenen See war mehr oder weniger spiegelglatt. Da gibt es gar kein Vertun, die Spikes werden angeschnallt. So läuft es sich wie auf Schienen. Es gibt zwei gespurte Stränge auf dem See, die breitere Spur ist den Schlittschuhläufern vorbehalten die andere für Fußgänger. Das Eis ist blank, man kann gut sehen wie dick es ist. Es hat Sprünge in allen Formen, kreuz und quer. So richtig super wohl fühle ich mich nicht. Vermutlich ist alles so sicher wie es sein kann, aber mir ist das nicht geheuer. Ich laufe etwas verstohlen herum, gucke den drei Leuten zu die sich wie kleine Punkte langsam bewegen. Dann drehe ich wieder um an Land, besser. Noch ein kurzer Gang auf einen Anlegesteg, ein paar Fotos für ein weiteres Panorama, klick, klick, klick. Zurück zum Auto, weiter geht es.

Da ich mir den Gang zur Bäckerei in die Stadt verkniffen hatte, weil ich wollte ja noch vor Östersund die Eisstraße inspizieren, wurde der aufkommende Hunger mit einer Pölse plus Ketchup an der Tanke gestillt. Es bekämpft den akuten Hunger, aber Genuss ist was anderes.

Recht unvermittelt ändert sich die Straßensituation. War vorher alles komplett frei nun fest gefahrener Schnee, aber nicht über die ganze Fahrbahn sondern je zwei Spurrinnen waren frei. Das fährt sich natürlich nicht so lecker. Man muss schon recht konzentriert fahren. Aber der Verkehr ist nun wirklich sehr übersichtlich, alles kein Drama. Grübel, habe ich nun noch etwas vergessen, ich denke nicht, die nächste Episode ist schon die Abkürzung nach Östersund. Die Straße schlägt viele Haken, ist recht schmal, steigt auch mal steil an, aber alles flutscht. Dann sehe ich schon in der Ferne Lichter auf dem zugefrorenen See.

Auf dem Navi ist die Eisstraße nicht zu sehen, das hätte mich auch sehr gewundert. Dann die Frage, wo geht es noch mal von der Straße runter um auf die Eisstraße zu kommen. Huch, bin ich da schon an der entscheidenden Stelle vorbei gefahren? Nee, also noch etwas weiter. Ahh, ja, da steht ein Wegweiser für nach Irgendwo mit 9 km, das kann nur über die Eisstraße erreicht werden, sonst ist da unten nix. Also fahren wir da mal ab. Unsicherheit macht sich breit, ich fahre direkt auf eine große Kirche zu. Aber es geht beherzt weiter. Es geht scharf um die Ecke, und noch mal um die Ecke, ahh, ja, da unten hört das Waldstück auf und es folgt die große offene Eisfläche. Bevor es aufs Eis geht ist ein kleiner Platz wo bereits ein Auto steht, zwei Leute stehen unweit davon und haben ein Lagerfeuer entzündet und sind mutmaßlich am Grillen. Ich parkiere vorsichtig mein Schüsselchen, es ist ziemlich glatt da. Auch gibt es kein Vertun, die Spikes werden angeschnallt.

Einschub. „Riders on the Storm“ erklingt dezent im Hintergrund, die Musik die die ganze Zeit läuft ist eher ziemlich gut. Einschub Ende.

Es wird schon ganz langsam etwas düster, aber man kann das andere Ufer mit dem Ende der Eisstraße noch gut erkennen. Die Straße ist ultrabreit und spiegelglatt. In der kurzen Zeit in der ich da etwas auf dem Eis rum laufe fahren 2-3 Autos aufs Eis und eines kommt von der anderen Seite ans Ufer. Faszinierend. Auch hier werden ein paar Fotos geschossen und dann geht es auch schon wieder die paar Meter ans Auto zurück. Obwohl es total plan da steht hatte ich kurz Bedenken ob ich mich hier nicht festfahre und auf der eisigen Fläche durchdrehe. Aber es geht gut, das Füßchen kitzelt das Gaspedal nur äußerst bedacht. Der Weg durch den Wald geht ganz leicht bergauf, minimal, und da, zu forsch am Gas und die Räder drehen ganz leicht durch, also, gut, dann wieder ganz piano.

Weiter geht es auf den letzten Metern nach Östersund. Es ist mittlerweile schon recht düster geworden. Ich folge gewissenhaft dem Navi. Zum Hotel kann man eh nicht vordringen, Fußgängerzone. Kurz überlege ich ins Parkhaus zu fahren, aber nee, das muss nicht sein. Erstaunlicherweise hat es noch einige Parkplätze am Straßenrand. Es muss nur noch der richtige gefunden werden, der erstbeste ist tief in Eisspuren vergraben, wenn es dumm läuft setze ich mich da fest. Also noch ein paar Meter weiter, ja, das schaut doch gut aus. Vorne geht es leicht aufwärts, da rolle ich automatisch wieder auf die Straße zurück. Nun noch ordentlich die Parkraumbewirtschafter glücklich machen und das ganze Geraffel aus dem Auto zusammen klauben. Abmarsch zum Hotel. Hölle ist das glatt auf den Wegen. Da muss man wirklich jeden Schritt mit Bedacht setzen.

Nun zum ersten Satz zurück. Ich sitze im „Tre Rum“, lecker Essen, angenehme Atmosphäre, coole und dezente Musik im Hintergrund, sehr nette Bedienung, so kann man einen Tag ausklingen lassen. Da mein Tablet ja das zeitliche gesegnet hat schlüre ich nun das Notebook mit, hat aber den Vorteil man hat eine gescheite Tastatur und (zumindest ich) kann so deutlich schneller und komfortabler schreiben. Zeit wieder alles zusammen zu packen und noch mal ans Auto zu laufen, dabei wieder aufpassen sich nicht auf die Waffel zu legen, auch wenn alles gut mit Split gestreut ist, man muss die Augen offen halten. Die „Kerner Auslese“ (Weingut Nibelungenhof Worms, Jahrgang 2015, die zweitletzte Flasche) ist glaube ich nun schon gut temperiert, es hat irgendwie etwas angezogen, aber von arktischer Kälte sind wir trotzdem meilenweit entfernt.

In der Nacht sollen immerhin leichte Minusgrade erreicht werden und auch morgen früh soll es gegen 8 Uhr ca. -3,2 °C haben. Endlich, unter dem Gefrierpunkt. Die gute Nachricht ist, in Jokkmokk soll morgen die Sonne scheinen, die schlechte Nachricht ist, es soll tagsüber +4 °C warm werden, erst gegen 18 Uhr geht es leicht unter den Gefrierpunkt. Wie es in Tromsø und darüber hinaus werden soll schaue ich mir jetzt gar nicht an.


Di 30.01.2024 Östersund – Jokkmokk

Dieses Mal hatte ich wieder ein anderes Zimmer. Es lag zwar nicht komplett zur Fußgängerzone, aber direkt aus den Fenstern guckte man in ein Bürogebäude. Da brannte die ganze Nacht lichterloh überall Festbeleuchtung. Lichter ausschalten, Strom sparen, scheint man hier wohl nicht zu kennen. Kurz bevor der Wecker hätte klingeln können raus aus den Federn. Beim Frühstück war sonst niemand zugegen. Die Auswahl war wieder sehr fein. Es sah so wenig aus, aber es war alles geschickt im großen Schrank platziert und es gab halt nicht von allen Dingen Unmengen sondern viele Sachen in kleinen Portionen. Frisch gekochte Eier hätte es gegeben, aber nein, das muss nicht sein.

Die paar Meter zum geparkten Auto bin ich gelaufen, es war angenehm kalt, aber man merkte schon, dass es eher nicht zweistellig war. Das hätte ich nämlich schnell gemerkt. Ich trug nur eine normale Jeans, langes T-Shirt, Pullover und nur die Außenjacke, nicht die warme Innenschicht. Das würde schnell sehr frisch werden, wenn es richtig kalt wäre. Rasch das ganze Geraffel im Auto verstaut und los geht es. Ja, es hat gerade mal -4 °C. Tanken war noch angesagt. Leider hatte die Tanke keinen 98er Saft, dann eben das 95er Gebräu. Aus der Stadt ist man dann ruck zuck draußen, es war nicht wirklich viel los. Tja, und dann begann die Reise. Das Wetter war top, klarer Himmel, noch nicht blau, denn die Sonne war noch nicht über den Horizont gekommen.

Die Dame im Hotel heute früh meinte ich solle vorsichtig fahren auf dem Weg in den Norden. Auf meine Frage was denn nun konkret das Problem sei bekam ich keine spezifische Antwort. Kleiner Spoiler, das Wetter war den ganzen Tag super und die Straßenverhältnisse waren absolut einwandfrei, naja fast. Auf den ersten Kilometern gab es noch viele Spurrinnen und die waren teilweise schmal und mit sehr hartem Schnee und Eis eingefasst. Man musste schon recht konzentriert fahren. Aber der größte Teil der Tagesstrecke war ein super flauschiger Untergrund, gerade so gleichmäßig mit Schnee überzogen, keine Ecken und Kanten, dort wo man 100 km/h fahren durfte bin ich die auch gefahren, eine wahre Freude.

An ein paar gewohnten Punkten habe ich angehalten, einfach weil man unkompliziert das Auto abstellen kann und es bei guter Sicht viel zu sehen gibt. So etwa am Weiler „Ollsta“ und natürlich auch am Halteplatz „Fiandberg“. Dort habe ich mir erlaubt das Fluggerät zum Einsatz zu bringen, was vielleicht nicht ganz regelkonform war. Immerhin war direkt neben an die Bahnstrecke und eine Nebenstraße. Aber es war kein Zug in Sicht, man konnte die Bahnstrecke auf weite Strecke einsehen und auf der Nebenstraße habe ich noch nie einen fahren sehen. Die Aufnahmen wirken noch ziemlich ungelenk und bei der letzten habe ich an einem Punkt einfach nur noch die Funktion zum Rückflug an den Ausgangspunkt aufgerufen.

Den „Utsikten“ in Storuman habe ich ausgelassen. Die Straße die zum Aussichtspunkt hoch führte war zwar gut geräumt, aber auch sehr schmal und recht steil. Und die ganze Strecke zu Laufen gab mein Zeitplan nicht her.

Als immer noch ca. 250 km zu absolvieren waren dachte ich, das zieht sich aber heute wie Kaugummi. Wobei so das letzte Drittel durchaus die reine Freude war, weil einfach die Straßenverhältnisse absolut stimmten. Irgendwann setzte auch die Dämmerung ein, die lange andauerte. An einer Stelle hatte ich zwar noch mal schön auf einem kleinen Parkplatz an der Straße anhalten können, aber da traute ich mich nicht noch mal das Fluggerät steigen zu lassen. Erstens direkt an der Straße und dann auch noch auf beiden Seiten eine Stromleitung, nee, das ist dann doch zu viel des Guten. Man kann nicht alles haben.

Als ich in Östersund los fuhr meinte das Navi ich käme gegen 01:29 Uhr am Ziel an, also weit nach Mitternacht. Was ich davon zu halten habe weiß ich ja nun und verfolgte den ganzen Tag wie die Prognose nach unten ging. Ziemlich genau um 17 Uhr war ich am Ziel. Ehrlicherweise muss man natürlich sagen, dass das nur möglich war weil das Wetter und die Straßenverhältnisse perfekt waren.

Die Prognosen für morgen lauten für Sverige und Suomi leicht negative Temperaturen mit minimalem Schneefall. Auf norwegischer Seite Schnee und Regen bei Temperaturen zwischen, ach lassen wir das, das ist einfach nur deprimierend. Es kommt wie es kommt. Lichtblick ist, auf Svalbard ist es kalt (einstellig) und die Tendenz ist noch etwas kälter (dann zweistellig).

Das „Hotel Jokkmokk“ ist nett, zum Abendessen habe ich das Buffet gewählt, zuvörderst gab es eine Suppe, dann etwas Salat, der war zugegebenermaßen etwas einfältig angerichtet, aber der Hauptgang mit Huhn und Kartoffelhälften (ungeschält) und einer Sauce waren gut und zum Abschluss noch ein paar Schlückchen Kaffee mit „Erdbeerbärmchen“ (der nicht zu süß war, also somit eine gute Note erhält), was will man mehr. Das ganze wurde begleitet von einem „schwedischen“ IPA. Der Duft versprach schon mal viel und der erste Schluck war definitiv keine Enttäuschung. Später habe ich mir noch ein zweites IPA aufs Zimmer geholt und lese nun auf dem Etikett der Flasche: „100W IPA / West Coast IPA / Nya Carnegie Bryggeriet / 6,8% / Starköl Bier: bla bla / Hergestellt in Sverige, Importeur CH: Feldschlösschen Getränke AG, CH-4310 Rheinfelden; Zutaten: Wasser, Gerstenmalz, Hopfen“. Tja so sieht es aus, die lokalen Brauereien werden aufgekauft von international agierenden Konzernen.


Do 01.02.2024 Tromsø

Gerade der Dusche enthüpft schnarrte mein Mobiltelefon mit einer Nachricht. Ich dachte bei mir, das bedeutet nix Gutes. Meldung von SAS, mein Flug ist gecancelt. Man arbeitet daran nach Alternativen zu suchen und wird mich informieren. Was natürlich Blödsinn ist, denn auf der Strecke fliegen ja nicht jeden Tag mehrere Maschinen, an einigen Tagen auch gar keine.

Einschub: Ich werde das nie verstehen warum man nun unbedingt von einem Latte Macchiato ein Foto mit dem Smartphone machen muss oder sonst dieses ganze Geknipse von Essen und Getränken. Einschub Ende.

Kurzer Schnack mit zu Hause, ist rauszukriegen was mit dem Flug los ist? Kurze Unterbrechung des Gesprächs, es kommt eine weitere SMS von SAS. Man habe mich umgebucht, cool, ich lese noch etwas dass ich fälschlicherweise als Flugnummer identifiziere. Es fing mit S3 an, das ist eine Airline, aber das was danach kam war unmöglich eine Flugnummer, da waren noch weitere Buchstaben dabei. Spoiler, das war meine Buchungsreferenz, ich Hirnie. Und umgebucht hatte man mich auf den Flug am Sonntag. Na toll, soll ich nach Longyearbyen fliegen und mit dem gleichen Flieger wieder zurück. Diese Entscheidung hat sicherlich ein ziemlich ömmeliges System gefällt.

Erst mal doch zum Flughafen fahren, mein Parkplatz am Polaria lief ja auch bald ab. So richtig wusste man auch nicht was mit meinem Flieger los war. Bei einer Umbuchung kann man mir am Schalter auch nicht helfen, das geht nur direkt bei SAS. Wie finde ich das? Naja, wieso soll ich jemanden anrufen und muss das dann alles telefonisch klären. Vor allen Dingen wo anrufen, auf einer Buchungsbestätigung steht ja mal vorsichtshalber keine Telefonnummer drauf. Da könnte ja ein nerviger Kunde anrufen. Meine kompetente Hotline zu Hause sucht mir freundlicherweise eine Nummer raus. Ich rufe gleich an, ab 9 Uhr soll sie erreichbar sein. Erst mal muss man etliche Fragen per Tastendruck beantworten und erhält dann die Ansage, dass derzeit eine Wartezeit von 5 Minuten zu erwarten sei. Keine Ahnung wie oft ich diese Ansage hörte, man hätte dabei einschlafen können. Und um es interessanter zu machen wurde noch eine Schippe oben drauf gelegt, die Wartezeit beträgt jetzt 10 Minuten.

In der Zwischenzeit habe ich mir auf dem Navi mal angeschaut wie weit es bis Hammerfest oder Alta wäre, 450 bzw. 400 km. Doch ganz schön weit, zumindest wenn es evtl. schneit.

Nach einer halben Stunde eine Stimme. Nein, morgen geht kein Flieger (mit SAS) von Tromsø nach Longyearbyen. Aber ich könnte 6 Uhr ebbes nach Oslo fliegen und von dort nach LYR. Mit so einer Option hatte ich gar nicht gerechnet, also spontan zugesagt habe ich nicht, da sträubte sich etwas in mir. Also mit Notebook bewaffnet zurück ins Terminal, denn die ganze Zeit im ausgekühlten Auto bei 0 °C zu sitzen ist nicht so prickelnd. Ja, das was mir da am Telefon erzählt wurde stimmt, nicht das man daran hätte zweifeln müssen, aber vielleicht hatte ich ja auch was falsch verstanden. Aber wenn ich wirklich so früh hier losfliegen wollte, da müsste ich ja um 4 Uhr am Flughafen sein. Nee, ich mach ja wirklich schon viel Unfug, aber das geht zu weit.

Ahh, da ist ja nun der Schalter besetzt der ganz zu Anfang verweist war. Also noch mal mein Anliegen geschildert, nee, sie weiß auch nicht was mit dem Flieger heute los ist. Das er nicht als gecancelt auf der Anzeige erscheint sei ein Fehler im System. Ich erzählte von der Option morgen früh nach Olso zu fliegen und dann Non-Stop nach LYR. Ja, das ginge, richtig. Aber morgen fliegt auch Norwegian von Tromsø nach LYR. Ich müsste mich halt mit SAS absprechen, ob die die Umbuchung machen. Ich meinte nur, vorsichtig formuliert, denn die Frau war ja wirklich sehr nett, dass das eher meine zweite Sorge sei und ich primär einfach nur nach Longyearbyen wollte.

Ich habe dann auch gar nicht lange wieder bei SAS angerufen nur um dann vllt. eine Stunde in der Warteschleife zu hängen. Gleich bei Norwegian gucken, ob es denn überhaupt noch Plätze gibt. Ich war fest davon überzeugt, dass a) der Flug schon seit Wochen ausgebucht ist und b) wenn noch 2-3 Plätze frei wären die mir natürlich längst von all den anderen Leuten vor der Nase weggebucht worden wären. Aber nein, c) trifft zu, es gab noch freie Plätze, sicherlich 20 und mehr, nun mir genügt ja einer. Und der Preis mit knapp 200 € für „LowFare“, da darf man etwas mehr Gepäck mitnehmen, ist auch nicht so hoch wie ich jetzt befürchtet hatte. Also, buchen, fertig.

Jetzt, wo schlage ich mein müdes Haupt heute nieder? Noch mal großartig rumfahren wollte ich nicht, zumal hier die Hoteldichte höher ist als vermutlich im Radius von mehreren hundert Kilometern. Bei den Preisen verschlägt es einem natürlich die Sprache. Augen zu und durch. Ich wähle das „Moxy Tromso“, es liegt in Sichtweite des Flughafens, ein hoher Turm der weit sichtbar zu sehen ist. Auch der Parkplatz schlägt noch mal heftig zu, obwohl es hier draußen vor der Stadt mit dem Platz eigentlich nicht gar so begrenzt ist.

Dann ist da ja noch mein Ausflug „Snowmobile Safari to Tempelfjorden“, den kann ich ja so auch nicht wahrnehmen. Also anrufen und fragen welche Optionen ich habe. Den gleichen Ausflug am nächsten Tag bieten sie nicht an, schade. Es ginge noch „Snowmobile Safari to Grønfjorden“, der startet etwas später, erst um 9 Uhr und geht bis 18 Uhr. Nun, dann fallen da natürlich einige gebuchte Konzerte ins Wasser. Allerdings ist dieser Trip auch nicht mehr Schwierigkeitsstufe 2 sondern 4. Nun, wird schon werden.

Tja, da hänge ich nun im fünften Stock des Hotels, Blick auf den Flughafen. Was tun? Dieses Mal habe ich kein Lesematerial mitgenommen, weil ich das sonst immer komplett ungelesen wieder mit nach Hause gebracht hatte. Wie lange braucht man zu Fuß in die Stadt? Ui, fast eine Stunde. Aber etwas Bewegung kann ja auch nicht schaden, immerhin hing ich jetzt ein paar Tage fast komplett im Auto. Also die wattierte Hose anziehen, als ob ich es geahnt hätte, dass die Jeans keine gut Wahl gewesen wäre. Nach ein paar hundert Metern an der Küste entlang geht es dann ganz schön den Berg hoch, immerhin 9%, aber geht schon. Es schneit ein wenig, der Wind geht mäßig. Auf den letzten Metern den Hügel auf der anderen Seite wieder runter hätte ich mich beinahe auf die Waffel gelegt, der Schnee fiel auf teilweise vereiste Flächen. Also als nächstes in einen Laden der Spikes hat. Ich hatte mir ja in Longyearbyen mal welche gekauft, aber die Krallen sind sehr lang und wirklich nur tauglich wenn überall tief Schnee oder Eis liegt.

Aber es gibt natürlich auch Spikes mit deutlich kürzeren Krallen, ich probiere welche an, die passen, sind auch im „Sale“. Einpacken, Schleifchen drum, brauche ich nicht, die lasse ich ja gleich an. Gefrühstückt hatte ich in all dem Trubel noch nix, der Magen knurrte. Da stand ich gerade vor der „Backstube Tromsø“. Die war mir letztes Jahr schon ins Auge gefallen, sie liegt in der Nähe des „Solid“. Ob die auch was Nicht-Süßes haben? Ja, da gibt es auch was herzhaftes. Draußen schneite es immer mehr. Zumindest war ich ja nun rutschsicher ausgestattet. Also wieder Abmarsch zurück. Der Wind nimmt zu, der Schnee auch, es geht gut bergauf. Heiland, der Wind fetzt wirklich um die Nase. Man sieht die Hand zwar noch vor Augen, aber der Schnee ist relativ nass und schlägt wie Nadeln im Gesicht. Aber da hilft jetzt nix, das wird durchgezogen.

Verschiedene Böen lassen einen schwanken. Durch den pappigen Schnee sehe ich zum Schluss aus wie ein halber Schneemann. Geschafft. Der Blick aus dem Hotelzimmer zeigt noch besser wie der Schnee fast senkrecht fliegt. Erst mal alles zum Trocknen aufhängen.

Notebook unter den Arm, auf in den 11. Stock, dort hat es die Rezeption, Sitzecken, Computer mit Scanner und Drucker, Bar, Restaurant, Billardtische und natürlich einen grandiosen Blick über die See und den Flughafen. Wobei davon nicht so viel zu sehen ist. Morgen soll es aber gegen Mittag wieder deutlich ruhiger zugehen, wenn auch noch bei viel Schneefall, aber weniger Wind. In Longyearbyen ist es eher ruhig, Wind bei max. 5 bis 6 m/s, Temperaturen tagsüber zumindest gut einstellig kalt, nachts zweistellig kalt.

So, nun genug geschrieben. Noch mal irgendwie in die Stadt zu gelangen, egal ob per eigenem Auto, Bus oder Taxi habe ich mir abgeschminkt. Hier kann man sicherlich auch was Nettes essen und Bier gibt es auch vom Faß. Da kann man den Abend zubringen. - Pause -

Schau an, hier gibt es Frydenlund Juicy IPA (hatte ich letztes Jahr in Hamar getrunken), das ziehe ich dem Mack Nordlys vor. Die Speisekarte ist nicht allzu üppig, was aber nicht schlimm ist. Ich nehme den Veggie Burger. Ja der Geschmack des Bieres ist schon speziell, aber spritzig frisch. Am besten blende ich aus, dass mir jetzt normalerweise das erste Svalbard Bryggeri IPA die Kehle runter rinnen würde. Dann halt morgen.

Ab 17 Uhr waren heute fast alle Abflüge von Tromsø gecancelt. Wobei nicht klar ist ob auf Grund der Verhältnisse hier oder am Zielflughafen, denn das waren häufig kleine Flughäfen hier in der Nähe, Bodø, Kirkenes, Vardø. Hmm, aber auch nach Trondheim, Oslo und Bergen wurden Flüge gecancelt. Egal, morgen wird alles besser.

Das WiFi im Hotel gestern war unter aller Kanone, laufend brach die Verbindung ab und der Durchsatz war einfach unterirdisch. Hier im Hotel ist es auch nicht viel besser, die Verbindung ist zwar stabil, aber die Bandbreite ist ein Witz.

Der Schneesturm ist - erst mal - vorüber. Also es schneit schon noch, aber man kann den Flughafen wieder klar sehen, vorhin war er teilweise komplett im Nichts verschwunden. Wenn ich mir die Temperaturvorhersagen der nächsten Tage aller Orte so anschaue, dann liegt nur Longyearbyen deutlich unter dem Gefrierpunkt. Die Hälfte der Orte liegt (teilweise deutlich) über Null.

Zwischendurch hatte der Schneefall mal komplett aufgehört nun graupelt es, die Bröckchen trommeln an die großen Fensterfronten. Die Räumfahrzeuge auf dem Flughafen ziehen mal wieder im Ballett ihre Bahnen. Planmäßig soll nur noch eine Maschine starten, statt 21:10 Uhr dann 23:35 Uhr, nach Luton.

Der Gedanke ist natürlich tagsüber aufgetaucht, ob ich zukünftig lieber hier im „Moxy Tromso“ (es wird wirklich ohne ø geschrieben) übernachte. Auch wenn der Parkplatz hier nicht kostenlos ist, der liegt dafür direkt vor der Tür, das ganze Geschlüre kann ich mir dann wieder sparen. In die Stadt müsste ich dann wieder mit dem Bus fahren, habe ich ja früher auch gemacht. Die [40] (Buslinie) könnte ich wohl nutzen, an der Haltestelle „Postterminalen“ könnte ich zusteigen, sie endet direkt in der Nähe des „Walter & Leonard“. Wenn man Giæverbukta nimmt kann man auch die [28] (Buslinie) nutzen, sie endet an der Haltestelle „Torgsenteret“. Aber die Linie scheint mir ungünstiger zu fahren, zu viele Umwege.

Es ist nun knapp 22 Uhr, der elfte Stock hat sich gut gelichtet.

Bilder gibt es erst morgen, so viele sind es heute eh nicht geworden.


Fr 02.02.2024 Tromsø – – Longyearbyen

Was mich etwas irritierte heute früh (kurz vor 6 Uhr) das man so gar keine startenden Flugzeuge hörte, war da schon wieder schlechtes Wetter im Gange? Erst mal weiter schlafen.

Einschub: Also heute habe ich meine gute Tat schon vollbracht. Die junge Frau die neben mir im Gate saß brach zum Boarding auf, ich schaue zufällig nach rechts auf ihren Sitz, da liegt noch ihre Handtasche, schnell hinterher gehüpft. Dankbare Reaktion. ;-) Einschub Ende.

Der Blick aus dem Hotelfenster zeigt eine gute Lage, es schneit ganz leicht, aber die Sicht insgesamt ist ohne Beeinträchtigung. Wie wohl später mein Auto so aussieht? Eingeschneit bis zum Dach, man wird sehen. Erst mal in Ruhe frühstücken. Es herrscht ein ziemliches Gewusel am Frühstücksbuffet.

Einschub: Ich sitze am Gate, noch nicht am letztgültigen, das ist noch nicht offen, davor liegt ja noch der Zoll. Also setze ich mich in das Gate neben dran. Von meinem Sitzplatz kann ich die Abflugs- und Ankunftsmonitore sehen. Es sind mehrere Flüge im Abflug verspätet, einige auch gecancelt. Mein Flug liegt (noch) im Plan, es sind noch 1,5 Stunden bis zum Abflug. Allerdings hat meine Maschine - die aus Olso kommt - schon gehörig Verspätung, sie soll erst 12:30 Uhr landen, statt 11:15 Uhr. Die Hauptsache sie landet überhaupt hier. Was mich nur wundert, welche KI wäre hier nötig, um die Abflugzeit jetzt schon anzupassen? Spoiler, dazu braucht es gar keine KI, das lässt sich nun wirklich leicht berechnen. Einschub Ende.

Ich packe mein Zeugs und gehe zum Auto, draußen ist es windig aber es schneit gerade nicht. Gestern hatte ich mein Auto schon mit Bedacht geparkt, so dass ich im Notfall einfach nur rückwärts rollen oder schlittern muss um aus der Parklücke zu kommen, aber keinen Falls irgendwie bergauf und sei es auch nur ein My. Die Fahrertür ist nicht nur verschneit sondern auch leicht eingefroren. Etwas beherzt daran rupfen hilft, erst mal alle Scheiben von Schnee und Eis befreien, da wird einem auch gleich warm ums Herz.

Den Kofferraum öffne ich erst mal nicht, alles wandert auf den Beifahrersitz. Reinsetzen, Startknöpfle drücken, der Motor startet, die Außentemperatur sagt -3 °C, ja wirklich kalt ist es nicht. Eigentlich wollte ich zurücksetzen und dann vorwärts den leichten Berg hoch, bleibe aber im Schwung und fahre komplett rückwärts vom Hotelparkplatz runter. Das klappt wunderbar. Dann biegt der Weg in eine andere Straße ein, ich trete auf die Bremse, ui, da kommt aber wenig bis nix. Egal. Dann merke ich, dass die Scheibe der Fahrertür nicht ganz oben ist, heidernei ist die jetzt so eingefroren, dass der Mechanismus der sie nach dem Schließen der Tür noch mal sanft anhebt, defekt ist?

Es ist kurz vor 9 Uhr, also ist genügend Zeit. Ich fahre einfach ein paar Kilometer, vllt. genügt das schon, dass der Mechanismus wieder in Gang kommt. An einer Tankstelle halte ich an, befreie die Tür an allen Ecken und Enden von Schnee und Eis. Aber die Scheibe schließt nicht. Ich sehe mich schon den Schlitz, ca. 5mm hoch, mit irgendwas abdichten, damit mir die Karre die nächsten Tage auf dem Außenparkplatz des Flughafens nicht innen zuschneit. Dann betätige ich einfach mal den Scheibenheber. And magic happens, die Scheibe schließt wie wenn nix gewesen wäre.

Einschub: Auf der Homepage des Flughafens ist meine Maschine immer noch ohne Verspätung zu sehen. Einschub Ende.

Ein Bediensteter des Flughafens fordert die Passagiere die im Gate sitzen auf es zu verlassen und sich vor das (noch geschlossene) Tor des Zolls zu begeben. Da kommt doch schnell eine ganz stattliche Menge an Leuten zusammen. Das Rolltor öffnet sich, die Kontrolle am Zoll ist kurz, man landet dann wieder im gleichen Gate in dem man vorher schon mal saß. Die Anzeige für meinen Flug ist immer noch ohne Änderungsvermerk. Der ankommende Flieger hat immer noch eine Verspätung von gut einer Stunde. Die Wettervorhersage für Longyearbyen ist sehr gut, Sonnenschein und -10 °C, helt fantastisk.

Eigentlich sollte jetzt das Boarding für meinen Flug schon starten, es ist 11:30 Uhr, aber ohne Flieger ist das schlechterdings nicht möglich. Harren wir der Dinge die da kommen. Und schon kommt das Update für meinen Flug, neue Abflugzeit 13:15 Uhr. Nun gut, so lange es dabei bleibt. Draußen schneit es wieder etwas, aber die Sicht ist noch gut.

12:40 Uhr, der Flieger trifft pünktlich verspätet ein. Im Prinzip müssen jetzt alle Passagiere den Flieger verlassen, auch die die nach LYR weiter fliegen. Da ist die neue Abflugzeit eigentlich nicht einzuhalten. Alle müssten ihr Gepäck einsammeln, durch den Zoll und dann wieder zum Gate. Oder die Leute die nach LYR wollen sind schon in Oslo durch den Zoll. Man wird es sehen. Immerhin steht der Flieger am Gebäude, man kann also über die Passagierbrücke aus- und einsteigen.

10 Minuten sind vergangen, es ist noch kein einziger Passagier ausgestiegen. Kriegen die die Türe nicht auf? Gepäck wird derweil schon fleißig ausgeladen. Ahh, der Balg der sich über das Flugzeug legt, damit Wind und Wetter draußen bleiben, funktioniert wohl nicht richtig, er senkt sich nun noch mal runter. Dann steigen auch die Passagiere aus, stehen aber wieder vor einer Tür das ins Terminalgebäude führt. Gut Ding will Weile haben.

Noch mal 10 Minuten später, die Passagiere können immer noch nicht ins Gebäude.

Jetzt öffnet sich die Tür. Da steigen viele Leute aus, sieht aus als ob es der ganze Flieger ist. Also in einer Viertelstunde werden wir ganz bestimmt nicht abheben, auch nicht vom Finger ablegen.

Da sind Leute dabei die mutmaßlich Musikinstrumente auf dem Rücken geschultert haben.

Dann ging doch irgendwie alles recht flott, das Boarding startet in Gruppen, alles geht seinen Gang. Ich sitze im hinteren Bereich des Fliegers und soll die Treppe am Heck benutzen, also geht es kurz nach draußen. Meine Jacke hatte ich schon in meinem Rucksack verstaut, aber es war freundlich, kein Schnee, kein Sturm. Und siehe da, der Flieger füllt sich schnell, um 13:15 Uhr ist er schon gut belegt, aber bis alle drin sind dauert es noch etwas. Dann noch mal Pause, es rührt sich nix. Pushback und wir hoppeln los zur Enteisung. Langsam weiter zur Startbahn, auch hier wieder warten. Eine kleine Maschine kommt noch rein. Aufstellung zum Start, Schub, wir heben ab, in Richtung Süden, nach kurzer Strecke geht es in einer 180°-Kurve nach rechts. Wir steigen weiter, kommen durch die Wolken, strahlender Sonnenschein. Ich sitze am Gang - auf der linken Seite - und direkt über den Tragflächen, also der Blick nach draußen ist sehr eingeschränkt. Macht nix, auf dem Rückflug habe ich einen Fensterplatz auf der rechten Seite, da hat man zumindest beim Landeanflug in Tromsø einen schönen Blick auf die See.

Die Ansage des Käptens sagte uns gute Flugbedingungen voraus, fein, das hört man gerne. Noch ist es gut hell draußen, die Zeit, es ist 14:26 Uhr. Ankunft evtl. um 15:30 Uhr, vermute ich, denn die Startzeit hatte ich nicht verfolgt. Linker Hand (Richtung Westen) sieht man dichte Wolken und einen roten Horizont, rechts ist es schon merklich düsterer geworden. Festzustellen ist auf jeden Fall, dass man in einem Flieger alles andere als bequem sitzt, man weiß nicht wohin mit den Knien, man möchte sie irgendwie abschrauben.

So richtig habe ich gar nicht im Kopf was heute noch so alles auf dem Programm steht. Ein Blick in den Plan hilft. Also, 17 Uhr „KC's Club Arctica“ im Barentz Gastropub, dann im Kulturhuset ab 18:30 „Hilde Louise Asbjørnsen“, 20:00 „Henning Kvitnes“ und im Huset ab 22:00 Uhr „Gatsby Party med Swing'it“. Die „Svalbar“ wird aber so früh noch gar nicht offen haben, dann kriege ich hoffentlich im „Stationen“ etwas zu essen, zu Mittag gab es nix und im Flieger das wollte ich mir auch lieber verkneifen.

Morgen fallen dann drei Konzerte ins Wasser für die ich Karten habe, ich hoffe der Ausflug ist es wert.

Der Transfer ins Hotel läuft wie gewohnt. Es bleibt nicht viel Zeit, das nötigste zusammen klauben und schon geht es weiter.

Endlich angekommen. Das erste Bierchen steht vor mir, der Barentz Gastropub ist gut gefüllt, aber ich habe noch ein Plätzchen bekommen. Essen ist bestellt. Nun kann der Abend, kann Svalbard, das Festival beginnen. Und, ach ist das schön, grandiose Musik. Es sind alle „Laien“ von hier, bis auf einen der Schlagzeuger, den habe ich zwar bisher auf allen Konzerten gesehen meine aber das er aus Bodø kommt. Es gibt Zugaben, dann, ich dachte das war es jetzt schon und ziehe wieder meine Schuhe in der Garderobe/Schuhraum an, erklingt noch ein Stück, Pat Metheny, es ist zum dahin schmelzen.

Im Kulturhuset ist noch ein mächtiges Gewusel am Eingang, der Bereich des Cafés hat sich etwas vergrößert. Es gibt noch T-Shirts vom Festival und weil ich Glück habe und vorher schon jemand mit Cash bezahlt hatte konnte ich auch mein Cash anwenden und bekam dann das andere Geld zurück. Tja, ich glaube den Norwegern ist gar nicht klar, dass man Vipps nur als Norweger benutzen kann.


Sa 03.02.2024 Longyearbyen


So 04.02.2024 Longyearbyen – – Tromsø

Jetzt machen wir zeitlich einen großen Sprung, es ist schon Sonntag, Tag des Rückfluges, ich sitze in der Lobby des Hotels.

Wie ging es weiter am Freitag? Erst mal die Gedanken sortieren. Im Kulturhuset dann also „Hilde Louise Asbjørnsen“, begleitet am Piano. Hat mir gut gefallen. Da ich zu spät war hatte ich keinen Sitzplatz mehr ergattern können. Aber einen einzelnen Stehtisch konnte ich noch in Beschlag nehmen. Dort lümmelte ich herum und nach einiger Zeit wurde ich angesprochen, jetzt aus dem Gedächtnis. „Henger du alene her? Kan vi henger med deg?“, wie gesagt sinngemäß. Das hatte ich durchaus verstanden. Aber ich glaube die Fragestellerin hatte trotzdem gemerkt, dass ich evtl. kein Norweger bin und fragte noch mal nach. Ich sagte, dass ich es verstanden habe, es klingt fast so wie in Deutsch auch. Wir haben uns dann eine Weile gut unterhalten, auf Englisch, sogar in ein paar Worten deutsch, das die beiden beherrschten. Eine der beiden erkannte ich als eine Spielerin (ich meine Saxophon) des Vorspiels im letzten Jahr und ich meine sie auch schon in 2020 gesehen zu haben. Sie war erstaunt, dass ich mich daran erinnern konnte.

Dann folgte wie üblich eine kurze Pause und es ging weiter mit „Henning Kvitnes“. Da habe ich schon vergessen ob es zwei oder drei Begleiter waren (es waren zwei). Hier gab es keine Zugabe, denn der Bus wartete schon für den kurzen Weg zum „Huset“, dort sollte es dann mit „Gatsby Party med Swing´it“ weiter gehen. Die Klamotten habe ich nicht an der Garderobe abgegeben, das war mir zu umständlich, allerdings konnte man im Erdgeschoss auch nicht mehr etwas sonst wo aufhängen. Egal, dann mit Klamotten erst mal in den Saal, ich wollte mich eh nicht in den Zuschauerraum stellen sondern setzte mich auf die Empore. Dieses Mal gleich in die erste Reihe, denn da hat es minimal mehr Platz um seine Gräten auszustrecken. Es dauerte noch etwas, der Saal füllte sich gut. Viele Leute hatten sich dem Motto entsprechend angezogen, also der 1920er Jahre, würde ich sagen. Beim Anblick so mancher freien Schulter bei den Damen fröstelte mir schon beim Hingucken, ich meine, es war zwar durchaus warm in dem großen Raum, aber sooo warm nun auch wieder nicht.

Dann ging die Show los. Welch ein Spektakel, die Musik war fetzig, einige Klassiker waren dabei die mir geläufig waren. Ein, na wie sagt man dazu, Conférencier sorgte zwischendurch für gute Laune und heizte die Stimmung zusätzlich an. Dann trat auch noch eine Burlesque-Tänzerin auf. Der Conférencier meinte dass es das wohl in diesem Haus in seiner ca. hundertjährigen Geschichte wohl noch nicht gegeben hätte. Einer der Musiker, ein kleiner drahtiger Typ legte auch noch akrobatische Stücke ein, so sprang er einen stehenden Salto, krass. Gegen Ende kam der Teil der Musiker die ihr Instrument tragen konnte von der Bühne und es begann eine große Polonaise durch den ganzen Raum. Die Stimmung war auf dem Siedepunkt angekommen. Da ich vorher schon den Busfahrer gefragt hatte wusste ich nun schon im Voraus, dass ich wieder nach Hause laufen muss. Dummerweise hatte ich beim Verlassen des Hotels meine Mütze vergessen. Aber es war absolut windstill, bei ca. -16 °C (gefühlt -23 °C). Ich glaube in einer halben Stunde war ich strammen Schrittes am Hotel angekommen, Zeit ca. 1 Uhr.

Trotz der späten Stunde schon mal alles so weit möglich für den morgigen Ausflug vorbereiten. Der sollte von 9 Uhr bis 18 Uhr dauern, wobei davon auszugehen war, dass es sicherlich fast 10 Uhr werden würde, bis wir losfahren. Es gibt Papierkram zu erledigen, es wird erklärt wie alles abläuft, die Klamotten (Balaclava, Helm, Skibrille, Stiefel und natürlich der Overall) wollen ausgesucht, ausgeteilt und angezogen werden. Eine lange dicke Unterhose trug ich schon, darüber meine wattierte Hose und dann der Overall, der erstaunlich schwer ist und wirklich sehr groß, darin versinkt man regelrecht. Nach gefühlt wenigen Sekunden im Overall wird es sehr schnell sehr warm und man sollte so schnell wie möglich nach draußen gehen um sich in der Kälte wieder runter kühlen zu lassen. Ansonsten trug ich noch ein warmes langärmliges Shirt, ein weiteres dickes Shirt und noch einen warmen Pullover. Zu mehr riet mir der Guide Eduardo nicht. In meinem Rucksack hatte ich aber eine weitere Jacke dabei, die ich aber nicht brauchte.

Draußen dann noch eine Einweisung in das Schneemobil, es ist recht simpel, ein kleiner Gashebel, betätigt man ihn, fährt man los, je mehr man drückt, je schneller wird man, lässt man ihn los kommt das Gefährt sehr schnell zum Stillstand, man rollt nicht aus. Die Bremse braucht man selten. Wichtig sind noch die beiden Regler für die Heizungen der Griffe, die kann stufenlos geregelt werden und wird auf höchster Stufe durchaus heiß, wie sich später herausstellt.

Zunächst ging es das Adventdalen hoch, bis auf Höhe einer alten Grube. Ach ja, ich habe ganz vergessen, die Gruppe bestand aus drei Paaren, vier Leute dänischer Herkunft, zwei deutscher und meine Wenigkeit, altersmäßig lag ich wohl so im Mittelfeld. Nach diesen ersten paar Kilometern, die sehr einfach zu fahren sind, kerzengerade aus, ging es dann südlich ab in ein Tal.

Einschub: Wie gesagt ich sitze in der Lobby, die Temperaturanzeige sagt -6 °C (gefühlt -11,3 °C), das ist sehr moderat, Wind hat es so viel ich sehen kann auch keinen. Da sollte man es also gut ein paar Minuten draußen aushalten können. Es ist 09:44 Uhr, Zeit zu gehen. Einschub Ende.

Die Strecke ist nicht schwierig zu fahren. Wir halten immer mal wieder an, genießen die Aussicht. Wir sind mitten im Nichts, außer den Spuren der Schneemobile sieht man nichts Künstliches. Der Plan ist auf der Hinfahrt keine zu langen Pausen zu machen, so dass wir noch bei guter Sicht am eigentlichen Ziel ankommen. Es gibt ein paar Stellen die sind durchaus etwas anspruchsvoller, man fährt am Hang entlang oder es geht mal etwas steiler auf- oder abwärts. Ich hatte es mir deutlich schwieriger vorgestellt. Der letzte Abschnitt führt durch das namensgebende (Grøndalen) super breite und lange Tal zum Grønfjorden.

Wir sind am Ziel angekommen. Die Landschaft ist g-r-a-n-d-i-o-s. Der Fjord ist zugefroren, soweit das Auge reicht. Ringsherum sind Berge, in der Nähe oder auf der anderen Fjordseite. Das Wetter ist bilderbuchmäßig, es weht kein Lüftchen, es ist nahezu wolkenlos. Mein Eindruck war, dass der Fjord deutlich unterhalb der Höhe war, auf der wir mit den Schneemobilen standen. Wir näherten uns dem Fjord und sahen einige Eisschollen und wurden gefragt wie die wohl da hingekommen waren. Ich meinte zwar richtigerweise, dass sie bei höherem Wasserstand dahin gedrückt wurden, aber ich hatte den Wasserstand ja viel niedriger gesehen. Wir machten nur noch wenige Schritte weiter und waren bereits auf dem Eis bis ich langsam begriff, dass es da gar nirgendwo mehr an einer Abbruchkante nach unten geht. Wenn man einfach nur weis hat ohne jeden Kontrast dann kann man sich schwer vertun.

Einschub: Mein Flieger ist gelandet, 9 Minuten verspätet, nicht wirklich viel. Einschub Ende.

Wir bekommen einiges zum Fjord und dem Tal erzählt. Ich frage einen der Guides ob es hier möglich wäre eine Drohne starten zu lassen. Ja, da spricht nichts dagegen, wir sind weit genug von irgendwelchen Infrastrukturen entfernt. Es wäre nur höflich die anderen Teilnehmer zu fragen, ob sie damit einverstanden wären. Keiner hat was dagegen. Ich präpariere das Fluggerät und bin gespannt, ob es bei der Temperatur überhaupt seinen Dienst tun wird. Alles steht auf grün, es kann losgehen. Es fängt schon ganz leicht an zu dämmern, speziell in Richtung Norden ist es schon recht düster. Die Drohne steigt, in null-komma-nix habe ich sie aus den Augen verloren. „Fly-to-home“ da wird gar nicht lange gefackelt. Hier auf Sicht des Displays zu fliegen ist schwierig, es bieten sich nur schwer Wegpunkte an denen man sich orientieren kann (und mit all der Unterstützung auf dem Display bin ich einfach nicht so warm geworden, dass ich mich da flink bewegen könnte). Noch ein zweiter Flug, dieses Mal nur noch hoch und langsam ein Schwenk, wieder runter, Ende. Dann bin ich auch bereit eine Tütenmahlzeit einzunehmen und einen Becher des legendären blauen Safts zu nehmen.

Bei der Abfahrt für die Heimreise ist es schon deutlich dunkler geworden, die Rückfahrt wird also mehr oder weniger in Dunkelheit stattfinden. Wir waren noch nicht lange gefahren, da dreht das führende Fahrzeug eine 180°-Wende aus und lässt uns anhalten. Huch, was ist nun passiert. Es standen ein paar Rentiere in der Gegend, wollten wir uns die nun explizit angucken? Keiner wusste was los war, aber wir waren gehalten alle in der Gruppe zu bleiben, keiner darf alleine in der Gegend rum stehen. Wir wandern gemeinsam ein Stück des Weges zurück, man versinkt teilweise tief im Schnee, auch wenn der hier ja schon gut festgefahren ist.

Ahh, ui, da liegt ein Schneemobil auf der Seite, es ist das letzte Fahrzeug, also der andere Guide Eduardo. Dass es den gebrezelt hat wundert mich. Ein zweiter Blick zeigt es ist nix schlimmes passiert, selbst das Windschutzschild ist nicht gebrochen. Mit den richtigen Instruktionen haben wir zusammen das Schneemobil wieder auf die Beine gestellt. Ich denke alle sind erleichtert. Der Guide Timo sagt, dass sich keiner zu schämen braucht, das sei ihm schon so oft passiert, auch am Anfang. Und es gibt durchaus Kniffe wie man sich behelfen kann falls man alleine wäre. Das klang alles ziemlich erfahren und sorgte gleich für ein gutes Gefühl in den richtigen Händen zu sein.

Wir ziehen weiter unsere Bahnen, der größte Teil des Rückweges gleicht dem Hinweg. Ein Abschnitt ist neu. An einem Halt sind ganz leichte Nordlichter zu sehen, ein schmales Band, mit dem bloßen Auge fast nicht zu sehen. Also dafür puzzele ich den Fotoapparat nicht aus der Tasche, ohne Stativ wird das nix. Also den Moment genießen und im internen Speicher ablegen.

Wenn man einfach so in der Gegend rumsteht und sich nicht bewegt dann kann es sein, dass es einen fröstelt, bei mir ist alles ok, nur die Fingerspitzen werden schnell kühl und die geheizten Griffe sind da kein Luxus.

Ein ca. 10 km langer Abschnitt ist recht rau, es gibt vereiste Flächen oder Stellen wo wenig Schnee liegt und man über nur leicht verschneite Steine brettert. Mittlerweile ist es stockdunkel. Öfter scheuchen wir ein paar Rentiere auf, die dann davon trotten. Dann tauchen in der Ferne Lichter auf, die Zivilisation hat uns wieder. Rechter Hand liegt das EISCAT und linker Hand kann man die Lichter von Longyearbyen erkennen. Wir passieren eine Gruppe mit Hundeschlitten die angehalten haben. Die Hunde jaulen und heulen was das Zeug hält. Es sind nicht viele andere Schneemobile unterwegs. Die letzten Meter, wir erreichen unseren Ausgangspunkt am Rand von Longyearbyen und am Beginn des Adventdalen. Wir geben unsere geliehenen Gegenstände ab und versammeln uns noch mal kurz um zu hören und an einer Tafel zu sehen wo wir heute unterwegs waren und wo wir was gesehen haben. Wir sind 137,1 km gefahren, muss ich noch mal checken, ich hatte von der Tafel ein Bild gemacht. Das ist schon eine ganz schöne Strecke. In kurzen Spitzen sind wir mal 50 km/h gefahren, aber meistens deutlich weniger, selten 40 km/h, eher 30 km/h und an den kniffligeren Stellen natürlich deutlich langsamer.

Einschub: Ich sitze im Flieger, sind schon ein paar Minuten in der Luft, ich blicke nach Westen aus dem Fenster. Die Wolkendecke ist recht dicht, hat aber auch ein paar Lücken. Ganz nahe die Nase an die Scheibe gedrückt kann ich die Sonne direkt an der Wolkenkante sehen. Das Wetter in Tromsø soll gut sein bei Temperaturen von -8 °C, das klingt bestens. Einschub Ende.

Wir werden wieder zurück in die Hotels gebracht, das Konzert mit Kari Bremnes hat schon begonnen. Aber mit den ganz dicken Klamotten wollte ich jetzt nicht den ganzen Abend im Kulturhuset herum hängen, also zuerst zurück ins Hotel und die Klamotten wechseln.

Der Saal ist brechend voll, ich stehe ganz hinten und lausche den Klängen. Das was Kari zwischendurch erzählt verstehe ich nicht wirklich, macht aber nix. Irgendwann meldet sich der Magen, er könnte doch noch was vertragen, mal sehen was es im Vorraum an Kleinigkeiten gibt. Es gibt zwei Gerichte zur Auswahl, ich nehme eine Portion Gyros mit Salat vom Buffet. Wow, das ist eine ordentliche Portion und schmeckt sehr lecker.

Einschub: Faszinierend, obwohl die Sonne ja bereits am Untergehen ist steigt sie aus unserer Sicht noch weil wir so schnell in Richtung Süden fliegen. Einschub Ende.

Wer kam nun nach Kari Bremnes, ähm, ich komme nicht drauf. Es war Katarina Barruk. Zitat „Katarina Barruk er en av de sentrale unge artistene fra Sápmi i dag.“. Es gab wohl im Publikum ein paar Leute die verstanden was sie sang, sie sang „umesamisk“, den Begriff hatte ich noch nie gehört.

Laut Wikipedia sprechen das nur noch 100 Leute. Wie krass ist das denn. Die Sprache steht also kurz vor dem Aussterben. Die Musik ist auf den ersten Blick sehr modern, ein Synthesizer kommt zum Einsatz. Das was gesungen wird erschließt sich mir natürlich nicht. Aber in einigen Stücken, mit entsprechenden Kommentaren auf Norwegisch vorher, kommt trotzdem rüber um was es geht. Einige Stück gehen absolut unter die Haut. Am Schluss gibt es standing ovations, das habe ich hier noch nie erlebt. Das war ein ganz besonderes Konzert.

Mein Handy hat heute während der Fahrt wohl komplett seinen „Saft“ verloren und tut keinen Mucks mehr. Dabei steht ja am Samstagabend eigentlich traditionsgemäß ein Anruf in der Heimat an. Bevor dann Moon Hooch kommen ist etwas Zeit, kurz zurück ins Hotel, das Handy an die Steckdose und klingelingeling. <Plauder>, <Plauder>, <Plauder> Und wieder Aufbruch ins Kulturhuset. Da steht eine veritable Schlange draußen vor der Tür. Alles ganz ganz junges Gemüse, ein Indikator dafür dass es musikmäßig wohl eher heftig zugehen wird. Endlich geht es weiter in der Schlange. Die Garderobe ist längst komplett überfüllt, aber in der Ablage sind die Leute hier sehr kreativ und es wird an allen möglichen und unmöglichen Ecken etwas verstaut. Diesem Tun schließe ich mich an. Der Saal ist schon gut gefüllt, aber man kommt noch bis in die Mitte vor. Es dauert noch ein wenig. Dann werden die drei Jungs aus Brooklyn, New York, frenetisch angekündigt, das Publikum rastet aus. Die Musik setzt ein und ein Sturm bricht los. Mit Musikinstrumenten kenne ich mich ja leider nicht so aus, aber es könnte sich um ein Saxophon und ein dem anverwandten Instrument handeln. Zitat: „Vi snakker et brygg sterkt inspirert av elektropop, dance og dubstep – bare med saksofoner og et trommesett

Die Musik ist deutlich cooler als das was ich mir zu Hause schon mal in YouTube-Videos angehört hatte. Und es geht ohne Pause von einem Stück zum Nächsten.

Das letzte Stück spielt, es ist davon auszugehen, dass es bestimmt eine Zugabe gibt, aber ich gehe schon mal in Richtung Ausgang und trolle mich. Da fällt mir auf, dass ich noch kein einziges Mal in der (neu gestalteten) „Svalbar“ war. Welch ein Frevel nicht mindestens einmal dort gewesen zu sein. Es ist ja nicht weit. Eintritt in den neuen Raum, ja, das sieht doch nett aus. Es darf ein „Gruve 3“ sein, das kommt bestens gekühlt ins Glas und das schmeckt, eine Wucht. Noch ein zweites zu trinken verkneife ich mir, sonst schwanke ich noch auf dem Heimweg. So war es nur ein kurzer Abstecher in die „Svalbar“, der nächste Besuch muss dann warten bis 2025. Es ist wieder spät geworden, 1 Uhr müsste es gewesen sein.

Die Aufnahmen von der Drohne habe ich mir noch angesehen und auch noch auf die Homepage hochgeladen.

Einschub: Die Sonne steht nun schon deutlich über dem Horizont und strahlt in voller Kraft, noch sind wir ja auch über den Wolken. Einschub Ende.

So nun ist aber genug für heute, Zeit zu schlafen. Ach ja, da war ja noch was. Wie sieht es eigentlich mit meinem Rückflug aus. Ist da eine Mail gekommen, dass ich nun boarden kann. Nein, da ist nix gekommen. Das lässt nix Gutes ahnen, aber jetzt lässt sich nix mehr ausrichten.

Nach dem Aufstehen checken was nun los ist, da kommt eine Mail von SAS, denn mein Flug sei leider ausgebucht und man mir aber freundlicherweise das Gepäck für umme befördern könne. Da sage ich nur F_CK SAS, wieso streichen die mir nun meinen Rückflug, was für Drecksäcke. Nun, geht heute noch ein Flieger? Ja, tut es, Norwegian fliegt auch. Es gibt noch Plätze, zähneknirschend buche ich wieder einen Flug. Ich bin sehr gespannt ob und was SAS nun zurück erstatten wird.

In Ruhe frühstücken, alles packen und richtig verstauen. Es hat sich ausgezahlt wirklich nur das nötigste mitgenommen zu haben. Der Bus geht um 10 Uhr, mein Flieger um 12:15 Uhr.

Draußen weht doch ein Lüftchen, aber ich friere nicht. Der Busfahrer ist der, bei dem ich vor ein paar Jahren schon mal eine Sightseeing Tour gemacht hatte, ein älterer Herr, der erzählte, dass er früher mal Professor war. Ich dachte noch so bei mir, dass er hier immer noch die Leute mit dem Bus rumkutschiert. Dann fahren wir auf den Flughafen zu und er meldet sich zu Wort und macht ein paar launige Bemerkungen, auf Englisch. Ich denke so bei mir, der ist ja echt cool drauf heute. Und dann kommt es, das sei heute sein letzter Tag, er hört nun endlich auf. Dann erzählt er noch was er so in Zukunft so alles machen will, sinngemäß sich an Getränken mit Schirmchen erfreut. Es gibt Applaus im Bus. Echt süß.

Ich checke am Self-Checkin ein und ähh, wieso kommt da jetzt kein Tag für meine Tasche aus dem Drucker, hab' ich Hasenhirn wieder was falsch gemacht. Ich bin der Meinung, nein. Also doch an den besetzten Schalter. Die Dame druckt mir ein Tag aus, meine Tasche verschwindet. Sicherheitskontrolle. Das ganze Geraffel aufs Band, Gang durch den Detektor, es trötet. Es ist der Gürtel, ok, alles gut. Alles wieder einpacken, sich im Gate installieren. Ähh, ui, da fehlt doch was. Schnell zurück, da steht noch ein Behälter mit Zeugs von mir. Uff, was eine Aufregung.

Die Svalbard Buttiken wurde umgestaltet und deutlich verkleinert. Ich erstehe ein Sandwich, ein Wasser und eine „Svalbard Posten“. Frisch gezapftes Bierchen gibt es auch nicht mehr.

Wie schon in den letzten Jahren treffen einige Musiker ein. Blättern in der „Svalbard Posten“. Es wird gewitzelt, was man vom neuen Skihang hält. 50% meinen, ob er wohl in diesem Jahr eröffnet? Schon letztes Jahr sah das alles ziemlich fertig aus. Keine Ahnung warum die ein Jahr später immer noch nicht in Betrieb sind. Dabei brannte durchaus bis 16 Uhr helles Flutlicht. Sogar zwei Schneekanonen waren ohne Unterbrechung am Werkeln. Das ist schon recht pervers, 1.300 km vom Nordpol entfernt braucht man Schneekanonen.

Nicht lange nach dem der Flieger gelandet war wurde auch schon zum Boarding aufgerufen. Es geht zügig voran. Das Wetter ist sehr gnädig. Letztes Jahr fetzte ein Wind, dass man fast weggeweht wurde. Wir starten in Richtung Osten. Ich hätte mir doch die Kamera mitnehmen sollen. Es war noch gut hell, beste Bedingungen eigentlich.

Einschub: Ich sitze im „Solid“, ein Gast den ich mal eindeutig als Landsmann identifiziere, das Englisch klingt halt so wie wir Deutschen es sprechen, fragt doch ernsthaft ob es eine „Happy Hour“ gibt. Ich werfe mich bald weg. Der sehr junge Barkeeper erklärt geduldig, dass es so was in Norge nicht gibt. Einschub Ende.

Landung in Tromsø, es liegt viel Schnee. Obwohl wir an einem Finger aussteigen, müssen wir in den Bus. Wir werden dorthin gebracht wo man durch den Zoll geht. Gesichtskontrolle, ich darf passieren. Gepäck aufsammeln. Ans Auto. Das ist unter einem Berg von Schnee begraben. Die Fahrertür lässt sich gut öffnen, der Schnee ist pulvrig und wird mit dem Superbesen hinweg gefegt. Der Motor startet sauber, es ist auch nur -6 °C kalt. Die Bremse ist wieder etwas zögerlich und greift nicht so wirklich gut, was sich aber während der Fahrt gibt.

In den Straßen von Tromsø liegen noch Massen von Schnee. Es hat dort ja auch einige recht steile Straßen, aber ich erklimme sie alle ohne Probleme. Das Vorhaben meine Schüssel vor dem Hotel kurz zu parkieren um schon mal das Gepäck auf das Zimmer zu bringen lasse ich bleiben. Die Parkplätze sind nur für Anlieger, also direkt ins Felsenparkhaus.

Kurzer Weg ins Hotel, einchecken. Ich frage, ob das Zimmer nach hinten liegt. Nein, tut es nicht. Kann man das ändern, er guckt mal. Ja kann man. Das ist gut, denn zur Straße ist es einfach zu laut, nicht weil dort großartiger Durchgangsverkehr wäre, es ist nur eine Nebenstraße. Aber die Fenster sind so hundsmiserabel isoliert das man meint man sitzt auf der Straße. Nach hinten raus ist es dagegen totenstill.

Mal alles sortieren, Taschen leeren. Öhm, ui, ui, ui, da fehlt was. Wo ist zur Hölle die kleine SSD? Ich inspiziere alle Taschen mehrfach. Sie taucht nicht auf. Das ist der GAU. Da sind alle Bilder und Videos der bisherigen Reise drauf. Alle Jahre vorher hatte ich mehr oder weniger jeden Tag alle Daten noch mal auf eine externe Festplatte kopiert. Dieses Jahr nicht. Am Flughafen hatte ich das Ding noch in der Hand, aber wo könnte ich es versteckt haben, es ist leider nicht wirklich groß. Eine Mail an das Fundbüro am Flughafen Longyear habe ich gleich verschickt. Die öffnen wieder am Montag um 10 Uhr. Ob ich das Ding da aber letztlich überhaupt verloren habe und ob es gefunden wurde, das steht in den Sternen. Ich rechne mit dem Schlimmsten. Totalverlust.

Abmarsch zum „Walter & Leonard“. Heute gibt es Tørrfisk. Ein absolutes Gedicht, auch die Beilagen harmonieren bestens. Anschließend ins Solid, da ist ziemlich tote Hose, aber das tut dem Juleøl keinen Abbruch. Ab und zu tröpfeln noch ein paar weitere Gäste rein. Irgendwann verkrümel ich mich wieder. Direkt vor dem Solid fängt eine Baustelle der Fußgängerzone an, keine Ahnung was die da nun tun.


Mo 05.02.2024 Tromsø – Skarberget – – Bognes – Bodø

Geräuschmäßig war das auf jeden Fall eine angenehme Nacht. Frühstück hatte ich keines gebucht, also alles packen, ins Felsenparkhaus und los geht es. An der Shell-Tankstelle erstehe ich einen großen Kaffee und ein Matpakke. Zwei der Brote werden gleich vertilgt. Wettermäßig ist es ein Traum, -4 °C kalt, Schnee ohne Ende, fast kein Wölkchen zu sehen. An einem Parkplatz an der [E6] der wenigstens ein paar Meter neben der Straße liegt halte ich an und lasse das Fluggerät steigen. Wirkliche Routine ist das für mich alles noch nicht. Ich fliege nur auf Sicht, mich nur mit dem Display zu orientieren kriege ich noch nicht hin.

Es lässt sich super fahren, die Straße ist fast durchgehend mit Schnee belegt, es gibt keine Spurrinnen, Verkehr ist eher wenig. Die Temperatur schwankt recht stark, zwischen -3 °C und -16 °C war heute alles drin.

Kurz vor Narvik, die Hålogalandsbrua war noch nicht ganz überquert, da bremst das voraus fahrende Fahrzeug bis fast zum Stillstand. Was ist das denn nun. Zum Glück ist es nur ein kleiner Radlader der da vor sich hin trödelt. Das geht so bis er sich dann in Narvik irgendwo verkrümelt. In Narvik liegt in den Straßen echt viel Schnee, teilweise wurde er meterhoch aufgetürmt, Hammer.

So fast 550 km an Strecke sind schon eine Menge Holz. Vor allen Dingen wenn man fast „gezwungen“ wird alle paar Meter anzuhalten um ein paar Fotos zu machen oder ganz neu, das Fluggerät steigen zu lassen. Und gerade das kostet schon seine Zeit. Die Propeller aufklappen, die Drohne selbst einschalten, das Steuergerät. Auf dem Steuergerät die Drohne starten, sie etwas in die Luft fliegen lassen und warten bis sie „Home point updated“ ausgibt. Denn nur dann kriegt man das Ding im Falle eines Falles 100%ig wieder sicher zum Ausgangspunkt zurück. Und das war schon ein paar Mal nötig. Heute allerdings nicht, da wurden keine allzu aufwändigen Manöver geflogen und auch nicht allzu weit weg.

Die Fähre in Skarberget erreiche ich so, dass die Fähre nach nur wenigen Minuten anlegt, das hat also gut geklappt. Bilder habe ich von der Überfahrt keine gemacht, sondern habe schon mal soweit alles gepackt, dass ich bei der Ankunft am Hotel alles parat habe. Die Drohne wurde auch verstaut, unwahrscheinlich, dass ich sie noch mal brauche, erstens wird es schon düster und zweites muss ich auch langsam mal Land gewinnen und zum Ziel kommen.

Einschub. Ich sitze im EGON in Bodø, gegessen habe ich schon, anschließend habe ich mir das Notebook vom Zimmer geholt und mich noch mal an einen Tisch gesetzt. Das EGON kann direkt vom Hotel aus betreten werden, sehr bequem. An einem anderen Tisch sitzt eine kleine Gesellschaft, vllt. 10 Leute, wie sagt man so schön, „Silver-Ager“ und die haben alle schwer was zu lachen, da herrscht eine Stimmung, grandios. Ich glaube die trinken alle kein Wasser. <grins>

Ein Blick auf die Uhr, ein wenig Zeit ist noch, der EGON schließt um 23:00 Uhr, genügend Zeit noch ein Frydenlund juicy IPA zu genießen. Jetzt interessiert mich aber wo das denn herkommt. Du kriegst die Tür nicht zu, das stammt von Carlsberg (Carlsberg Breweries A/S; J.C. Jacobsens Gade 1, 1799 Copenhagen V; Denmark)

Funfact ist, Frydenlund liegt in Danmark, ich hatte bisher angenommen, das liegt in Sverige.

Einschub Ende.

Nicht lange nach der Fähre wird es langsam dunkel und immer noch liegt ein erkleckliches Stück Strecke vor mir. Aber es ist längst nicht so anstrengend wie im letzten Jahr wo es ja teilweise Bindfäden regnete. Kurz von Bodø fängt es doch tatsächlich an zu schneien, nicht wirklich heftig aber immerhin. Damit hatte ich jetzt nicht gerechnet. Aber es dauerte nicht sehr lang.

Das Navi findet das Hotel im Schlaf. Hier war ich im Prinzip schon mal. Im EGON war ich nämlich früher schon mal essen. Es liegt etwas am Rande des Zentrums, da findet sich dann auch schneller ein Parkplatz. Der ist bis morgen 8 Uhr auch noch gratis.

Die große Frage ist nun, fahre ich morgen die Strecke an der Küste oder wieder über das Saltfjellet. Egal welche Strecke ich wähle, an allen Orten soll es morgen mindestens unter Null Grad sein, das wäre ja schon mal was. Aber an allen Küstenorten soll es auch schneien, was wieder nicht so doll ist. Auf dem Saltfjellet dagegen sollen es zwischen -14 °C und -17 °C werden und die Sonne soll sogar auch etwas scheinen. Damit scheint mir die Entscheidung schon gefallen. Saltfjellet ist Trumpf.

Halt, ich muss mich korrigieren, morgen sieht es an der Küste doch nicht so schlecht aus, ich habe am falschen Tag geschaut. Tja, was tun. Morgen früh noch mal gucken.

Nun ist aber genug für heute, das Bier neigt sich dem Ende und die 23 Uhr näheren sich.


Di 06.02.2024 Bodø – Saltfjellet – Mosjøen

Kurz von 8 Uhr fahre ich am Hotel los, bis dahin darf man gratis parken. Das Hotel gefällt mir. Es liegt nicht im Zentrum, einen Parkplatz zu bekommen war einfach. Zumal im Zentrum sehr viel Schnee lag der einige Parkplätze versperrte. Das der EGON quasi im gleichen Haus liegt ist auch sehr nett, man muss nicht mehr durch die Gegend stromern und mir gefällt es nach wie vor gut. Man darf aber kein Bierchen aus dem EGON mit aufs Zimmer nehmen, so ist das in Norge, da herrschen strenge Regeln mit dem Alkohol.

Aus Bodø raus zu fahren war kein Ding, der Verkehr mäßig und der neu gebaute Tunnel bringt einen schnell aus der Stadt. Nicht unweit konnte man einen sich anbahnenden Sonnenaufgang beobachten. Ein richtig breiter roter Strahl schien von unten in den Himmel. So intensiv habe ich das selten gesehen. Die restliche Fahrt war wieder ein Traum, wie gestern, Sonne satt und Schnee satt. Die Straßen gut präpariert. Die Strecke ist gefühlt eine Achterbahnfahrt, selten führt die Strecke einfach nur gerade aus, eine Kurve jagt die andere, es geht ständig hoch und runter.

Da ich sehr zeitig in Mosjøen eingelaufen wäre habe ich kurz vorher noch einen Umweg einschlagen wollen, ab einer bestimmten Stelle kehrte ich aber wieder um, das sah mir auf dem Navi einfach zu kurvig aus und ich wusste nicht wie ein hoher Berg der im Weg lag höhentechnisch genommen werden würde. Man muss es ja nicht noch kurz vor dem Ziel herauf beschwören, sein Glück.

Im Vinmonopolet habe ich dieses Mal Øl der Svalbard Bryggeri gefunden, das IPA war vorrätig, mehr nicht. Aber im anderen Laden wo ich letztes Jahr schon war, der natürlich nur Spirituosen unterhalb von 4,8% Alkohol verkaufen darf, habe ich noch zwei weitere Sorten erstanden. Man darf gespannt sein.

Einchecken im Hotel. Die Zeit vergeht bis 19 Uhr, dann gibt es das inkludierte Abendmahl. Dieses Mal wurde eine Bergisk Fiskesupper gereicht. Und dazu gab es das ganze Programm an Zugaben, wie Salate, Aufschnitt und Brot, einen Bounty-Kuchen als Nachtisch (seeeeehr lecker), Säfte, Wasser, Kaffee.

Die Wettervorhersage für den nächsten Tag sah wieder sehr viel versprechend aus. Es gab eine kleine Planänderung. In den letzten Tagen hatte ich mit einem neuen Forumsmitglied ausgemacht, dass wir uns in Trondheim am Abend treffen wollen. Damit mich die Fähre nicht unnötig ausbremst fahre ich dann halt durchgängig die [E6].


Mi 07.02.2024 Mosjøen – Trondheim

Gucke ich am frühen Morgen aus dem Fenster und sehe, es schneit, nicht sehr heftig, aber auch nicht wenig. Hmm, das war aber so nicht gemeldet. Egal, erst mal Frühstück. Wie kalt es war habe ich schon wieder vergessen, ich meine es waren -7 °C. Beim Einpacken des Gepäcks ins Auto musste man etwas auf die Tube drücken, damit einem die Karre innen nicht vollschneit. Der Schnee auf den Scheiben war flugs weggewedelt, pulvrig wie er war.

Abfahrt. Es geht langsam aus Mosjøen raus. Mir ist in Erinnerung, dass es da durchaus ein wenig ansteigt. Aber die Straße war gut zu fahren und nur wenige Minuten nach dem man Mosjøen verlasse hatte, war man schon Mutterseelen alleine unterwegs. Der Schneefall ließ auch schon nach. Bei Ankunft am Laksforsen hatte er fast komplett aufgehört. Ich fuhr erst mal bis zum Restaurant. Erstaunlicherweise brannte dort Licht und es stand ein Auto am Haus. Ich parkte meine Schüssel auf dem geräumten Parkplatz. Von innen wurde meine Ankunft inspiziert. Aussteigen, erst Mal gut einpacken, denn es war deutlich kälter geworden. Es war trüb, gegenüber 2023 lag aber etwas mehr Schnee. So direkt beobachtet wollte ich hier das Fluggerät nicht steigen lassen. Also nur ein paar Fotos geschossen.

Ich war davon ausgegangen, dass wenn da nun wieder Betrieb ist, man auch rein gehen kann, um sich den Laksforsen aus der besten Perspektive anzuschauen. Um nicht als geiziger Touri dazustehen schnappte ich mir meinen Kaffeebecher um ihn mir füllen zu können. Aber guck an, die Eingangstür war geschlossen. Nun, dann eben nicht. Wieder ans Auto, einsteigen, zurück Richtung [E6]. Aber wie nun das Fluggerät steigen lassen. Plöderweise führten über den Weg zwei Stromleitungen, nicht der beste Platz. Also parkte ich mein Schüsselchen an der Einmündung zur [E6], damit ich nicht die schmale Straße blockiere und lief zurück.

Anfängerfehler. Ich hätte für diese paar hundert Meter unbedingt auch die dicken zweiten Handschuhe anziehen müssen. Denn bereits als ich am „Startplatz“ ankam waren mir die Finger halb abgefroren. Start, über die Bäume drüber und dann per Display orientieren. Das sollte eigentlich ganz gut geworden sein. Flug zurück. Ich spüre die Finger schon fast nicht mehr. Mit letztem Gefühl kriege ich das Fluggerät auf den Boden. Erstmal die Fingerchen etwas anpusten, viel hilft das allerdings nicht. Merke: Bei zweistelligen Minustemperaturen die Hände unbedingt bis zum Start gut warm halten! Ganz dick hinter die Ohren schreiben.

Ich sammle die Gerätschaften ein und marschiere zurück zum Auto. Ich stelle mir vor, wie schön warm das gleich im Auto wird und die Finger anfangen zu britzeln. So war es dann auch, f-a-n-t-a-s-t-i-s-c-h. Weiter geht es.

An anderen bekannten Stellen fuhr ich kurz von der [E6] ab und ging noch ein paar Meter. Dieses Mal natürlich mit den zweiten Paar Handschuhen. Ja, so geht das doch deutlich besser. Aber kalt ist nun mal kalt. So oder so, was ich absolut nicht erwartet hätte ist, dass das Fluggerät bei zweistelligen Minustemperaturen überhaupt seinen Dienst tut, aber das klappt problemlos. Die Technik hat keine Schwierigkeiten, sondern der Mensch.

Der Weg direkt vor Trondheim ist nach wie vor nicht so doll.

Auf jeden Fall war ich frühzeitig angekommen. Geraffel aufs Zimmer schaffen und erst mal zum Vinmonopolet. Das was ich suchte hatten sie aber auch nicht. Kein „Gruve 3“ oder „Autopilot“. Nun, nicht entmutigen lassen. Zurück ins Hotel. Da es ja die letzten Tage tagsüber und vermutlich nachts noch eher ziemlich frisch war konnte ich das wertvolle Øl natürlich nicht im Auto lassen, also noch eine extra Tasche aufs Zimmer schlüren.

19:30 Uhr, Treffen mit den beiden Forumsmitgliedern im „Frati“. Wie nett, sehr gesellige Unterhaltung. Anschließend weiter ins „Bror“, da war es schon recht spät, noch ein Absacker-Bierchen. Als letzte Gäste haben wir uns höflicherweise selbst rausgeschmissen, bevor wir um 23 Uhr rauskomplimentiert worden wären. Noch ein paar Schritte durch die sehr frische Nacht. Verabschiedung.


Do 08.02.2024 Trondheim – Lillehammer

Kurz vor 8 Uhr hole ich mir im besten Brotladen von Trondheim, wenn nicht von ganz Norge zwei belegte Brote und einen Coffee-ToGo, mit kleinem Rabatt vom Hotel, weil dort ja kein Frühstück angeboten wird. Aus Trondheim finde ich mittlerweile auch ohne Navi raus. Es ist durchaus was los, aber Stau kann man das alles nicht wirklich nennen. Auf dem letzten Abschnitt der [E6] darf man unglaubliche 110 km/h fahren. Dem verweigere ich mich energisch, warum sollte ich hier mit „Warp-Geschwindigkeit“ fahren? Auch hier schneit es ein wenig. Aber es dauert nicht lange dann sieht man in der Ferne es ein ganz klein wenig, minimalst, heller werden.

Nach einer Weile, der Wagen ist nun gut temperiert, Halt auf einem Supermarktparkplatz, das erste Brot des besten Brotladens von Norge wird verspeist. Ist das köstlich, saftig, man hat ordentlich was im Mund zu kauen, gut belegt. Noch das Käffchen dazu. Der Schneefall lässt langsam nach. Und weiter geht es.

Na sowas, das Wischwasser ist alle. In Opddal wird getankt, hier gibt es köstlichen 98er Saft für das Schüsselchen. Aber es ist nur eine Tanke, kein Shop, kein Nix. Also noch mal ein paar Meter zurück zur anderen Tankstelle und dort fertig gemischtes Wischwasser erstanden. Es stand draußen, sah aber komplett flüssig aus. Ich verfrachte es in den Wischwasserstutzen und das Zeug fliest nur sehr zäh aus dem Beutel. Ja ist es möglich, das ist halb gefroren. Erst mal so viel, dass ich wieder wischen kann. Zwischeninfo, in Oppdal sind es -20 °C.

Nun geht es das Dovrefjell hinauf. Und was passiert, das Thermometer steigt und zwar heftig. Obwohl ich noch nicht viele Höhenmeter geschafft habe stehen plötzlich nur noch -11 °C in der Anzeige. Aber zumindest kommt es nicht dazu, dass man fast auf den Gefrierpunkt kommt, obwohl man auf gut 1.000 Meter ü.d.M. fährt, so wie im letzten Jahr. Und der Himmel sieht gut aus, schön blau. Langsam wird die Hochebene erreicht. Angestrebt wird, auf dem gleichen Parkplatz wie im letzten Jahr zu parkieren und ein paar Meter in die Botanik zu laufen. Selbstredend mit einem bestimmten Gedanken. Vom Parkplatz aus geht es über die Straße aber dieses Mal liegt kein so schön präparierter Weg vor der Nase. Egal, vorsichtig testen, ob man hier sofort metertief im Schnee versinkt oder ob das „hebt“? Ja super, da bricht man gar nicht viel ein. Also, weiter. Und, da ist ja gar keine Langlaufspur sondern eine Spur von einem Schneescooter. Wenn man darauf läuft sinkt man jeden Schritt nur minimal ein. Außer zwei oder drei Mal wo man unvermittelt bis zur Hüfte mit einem Bein im Tiefschnee steckt. Krass. Aber alles kein Problem.

Das Wetter ist sehr fein, es geht kein Lüftchen, die Sonne kommt ab und zu durch die Wolken. Nichtsdestotrotz sind es ca. -20 °C. Es war also angeraten sich wirklich gut anzuziehen.

Zeit das Fluggerät an den Start zu bringen. Ein Rundflug bitte. Den gleichen Weg wieder zurück laufen.

Und weiter geht die Fahrt. Schon kurze Zeit später steht die Entscheidung an, fahre ich nun die Alternative oder nicht. Aber das Wetter war so fantastisch, es wäre ein Frevel gewesen die Gelegenheit nicht zu nutzen. Zunächst geht es eine ganze Weile auf der [29]. In Folldal geht es dann ab auf die [27] und da steht ein Schild mit dem Hinweis auf eine Steigung von 12%. Heidernei, das ist eine Hausnummer. Und natürlich geht es nicht nur einfach so 12% bergauf, sondern die Straße ist auch noch extrem kurvig und sehr schmal. Der Puls geht nach oben. Aber es ist niemand hinter mir, niemand vor mir, es kommt keiner entgegen. Zwei drei Mal drehen die Reifen ganz kurz durch, aber alles geht gut.

Dann steht (fährt) man unvermittelt auf einer Hochebene. Vorher fuhr man noch durch Wald durch aber nun waren kein Baum und kein Strauch mehr zu sehen. Nur noch weiß, in allen Richtungen, die Sonne knallte herunter. Einfach atemberaubend. Eine völlig neue Erfahrung, so etwas hatte ich in Norge noch nicht gesehen. Wirklich wo mal anhalten war nicht möglich, alle Parkmöglichkeiten waren komplett verschneit und nicht geräumt. Ich gleite langsam durch die völlig fremde Welt. Irgendwo wird man da doch mal wo anhalten können. Ohne Foto, das geht ja gar nicht. Blick in den Rückspiegel, nee, da ist keiner, Blick nach vorne, da kommt keiner. Anhalten, raus aus der Karre. klick, klick, klick. Ist das frisch hier, die Sonne brettert zwar und macht auch bestimmt etwas warm, aber gegen zweistellige Minusgrade kommt so schnell nix an. Gut, wenigstens ist das mal festgehalten. Wieder einsteigen.

Es geht weiter auf gut 1.000 m. Die Frage steht natürlich im Raum, wie geht es eigentlich auf der anderen Seite wieder runter, auch mit 12% oder gar mehr? Ich muss sagen, da hatte ich bei der Recherche geschlampt und nicht genau drauf geachtet. Aber da wo man rauf kommt, da kommt man auch wieder runter, oder so. Ahh, da ein Schild, 8% Gefälle auf 4 km. Das sollte wohl zu machen sein. Erste Devise, nicht hetzen lassen, vor allen Dingen nicht von mir selbst (Norweger drängeln sowieso nicht). Maximal 50 km/h, Fuß immer über der Bremse, langsamer ist sicherer. Es geht Kurve um Kurve und Meter um Meter nach unten. Es läuft perfekt. Die letzten Meter zur [E6] zurück will mich das Navi zwar auf eine kurze Strecke schicken, aber das sieht mir nicht geheuer aus. Ich fahre einen minimalen Umweg und lande super smooth wieder auf der [E6]. Was für eine Fahrt. Adrenalin pur und Landschaft satt. Aber diese Fahrt ist für meine Karre definitiv nur bei den allerbesten Möglichkeiten zu machen. Und ich würde sagen auch nur von Norden nach Süden und nicht umgekehrt. Die 12% wollte ich nicht bergab fahren wollen, in den extremen Kurven auch noch.

Der restliche Weg nach Lillehammer läuft mehr oder weniger im Autopilot, die Gedanken hängen noch beim vorherigen Erlebnis.

Einschub. Gerade sitze ich in Lillehamer im „Heim Gastropub“ und schaue mal welche Strecke ich morgen so fahren kann. Ich denke die Hardangervidda kann ich wohl nehmen, von 8 bis 15 Uhr ist ein volles Sonnensymbol zu sehen und Temperaturen zwischen -29 °C und -22 °C. In Lillehammer sollen es heute Nacht auch -20 °C werden. Also morgen auf jeden Fall sehr warm anziehen, nur die wattierte Hose ist evtl. deutlich zu wenig. Also noch was Passendes drunter, auch wenn es dann im Auto warm wird. Einschub Ende.

Einchecken im Hotel. Das sieht sehr nett aus, es liegt zentral, hat aber eigene Parkplätze, sehr praktisch.

Aufbruch zum Vinmonopolet. Mal schauen was die so zu bieten haben. Ja, cool, „Gruve 3“ steht im Regal, das wird in den Einkaufskorb gepackt. Und noch was zum Probieren. Für 8 Büchsen Bier habe ich ca. 43 € an der Backe. Das muss man sofort ausblenden. Die Schätze des Orients werden ins Hotel gebracht, es im Auto zu lagern wäre keine gute Idee. Mir blitzt kurz der Gedanke auf, so viel Alkohol habe ich bisher noch nie von Norge mit nach Hause gebracht. Ist das zu viel für den Zoll von Norge nach Sverige oder Sverige nach Danmark? Egal. Quatsch, ich komme ja gar nicht mehr nach Sverige.

Außer den beiden super leckeren Sandwiches habe ich heute noch nix gegessen. Gegen 17 Uhr meldet sich dann der Hunger. Naja, das ist noch zu früh, wenigstens noch etwas warten. Abmarsch. Püh, ist das kühl draußen. Die wattierte Hose habe ich nicht mehr an, sondern nur noch eine Jeans, nach wenigen Metern meinte man die Beine frieren ab. Aber der Rest ist gut gewärmt. Und da, ja, da ist auch schon ein EGON. Bestellt wird „Cod“. Es dauert etwas. Aber es hat sich gelohnt. Hmmmm, das ist wirklich ein Gedicht, sehr lecker. Und keine Ahnung was mich da gebissen hat, ich bestelle mir noch einen Irish Coffee, ohne Sahne wohlgemerkt. Ich möchte nicht wissen, was mich die Sahne noch gekostet hätte, da wäre ich vermutlich dann doch noch, ach lassen wir das. <grins>

Dann kurz zurück ins Hotel. Boah ist das frisch draußen (warum wundere ich mich eigentlich). Das klingt jetzt so also beschwere ich mich. Nein, nein, es ist eher ein, „wie cool ist dann denn“.

Es stellt sich heraus, dass in der Kneipe hausgebrautes Bier angeboten wird. Ja, wie super ist das denn. Ein dunkles Bier wird kredenzt. Leckerst. Während dieser Zeit entsteht der heutige Bericht (und der von gestern). Ganz klar, dass das sehr durstig macht, und man soll ja viel trinken. Also, en Øl till.

Auf Nachfrage, ob man das Bier hier auch zum Mitnehmen kaufen kann, lautet die Antwort, leider nein. Logisch. Das bekommt man nur im Vinmonopolet.

Dann spricht mich eine Frau an, logischerweise auf Norwegisch, ob ich ihr helfen kann ihre Uhr (scheint mir eine Smartwatch zu sein) einzurichten. Sie hat eine Uhr als Gimmick geschenkt bekommen. Ich gucke mir das an. Ich würde sagen, das ist ein übliches Super-Drecksgeraffel aus China was keine fünf Euro wert ist. Ich habe keinen Weg gefunden das Ding auf der Rückseite überhaupt zu öffnen, um die Batterie einzusetzen. Nee, da muss ich leider passen.

Der Rückweg zum Hotel ist nicht wirklich weit, aber kalt, wirklich kalt, obwohl ich aussehe wie ein Michelin-Männchen. Die Beine fühlen sich an wie abgestorben. Morgen werde ich auf jeden Fall zu der wattierten Hose auch noch lange Unterwäsche tragen und zwar die dicke Variante, viel hilft viel.

Für morgen früh hat es -20 °C voraus gesagt. Das wichtigste ist, dass mein Wägelchen anspringt und dann keine Mucken macht.


Fr 09.02.2024 Lillehammer – Haukeli

Eigentlich habe ich heute keine allzu große Eile, aber die Unruhe treibt mich schon kurz nach 6 Uhr aus den Federn.

Sehr üppiges Frühstücksbuffet. Zuerst bringe ich mal ein Teil des Gepäcks vom Zimmer an die Rezeption. Dann erst ziehe ich im Zimmer die dicken Klamotten an, es gilt das so schnell wie möglich zu machen, dabei aber möglichst nicht ins Schwitzen zu kommen. Was schwer zu vereinbaren ist. Leicht erhitzt komme ich nach draußen. Man merkt es sofort in der Nase wie es britzelt. Alles einladen. Motor starten, ja, klappt. Kupplung, Gangschaltung sind sehr träge aber mit genügend Kraft ist es zu machen. Erst mal für 2-3 Minuten den Motor laufen lassen. Abfahrt. Alles geht wie in Zeitlupe. Es ist noch nicht viel los auf der Straße.

Auf einem Parkplatz kurz nach Lillehammer halte ich noch mal an. So richtig entschieden hatte ich mich noch nicht welche der drei geplanten Routen ich nehmen soll. Ich tendiere eher zu der sichereren Variante, also nicht über die Hardangervidda, aber auch nicht über Oslo. Es fängt an zu schneien, nein, das muss doch nun wirklich nicht sein. Es ist nicht wirklich viel, er bleibt auch eher nicht liegen. Landschaftlich ist es so mitteldoll. Die Strecke verläuft so wie gedacht nicht allzu extrem. Es gibt wenige wirklich kritische Stellen.

Irgendwann verlässt man die eher unspektakuläre Gegend und fährt langsam aber sicher wieder in die Berge und dann kommt doch noch die Sonne heraus. Sie strahlt immer mehr, blauer Himmel, Schnee ohne Ende, kälter wird es auch wieder. Es gibt wenige Gelegenheiten mal anzuhalten. Dann geht alles recht fix und ich stehe vor der Hoteltür, sie ist verschlossen. CheckIn erst ab 16 Uhr. Tja, nun, fast eine Stunde warten. Nee, die Zeit und Gelegenheit muss genutzt werden. Also wieder ins Auto und ab in Richtung Hovden. Die [9] steigt ja unmittelbar ab Haukeli heftig an. Es steht ein Schild da mit dem Hinweis auf 12% Steigung. Die Schneespur ist aber gut festgefahren. Auch die beiden Kehren klappen gut. Oben angekommen liegt das schöne Wetter hinter mir, also im Norden. Gen Süden dräuen leicht dunkle Wolken. Also nicht allzu weit fahren, das Schüsselchen an einer geeigneten Stelle parkieren und das Fluggerät steigen lassen. Über einem kleinen zugefrorenen See. Und noch mal ein paar Meter weiter, auch dort bietet sich eine Möglichkeit neben der Straße anzuhalten. Hier ist das Wetter schon grenzwertig, die Sonne nur noch diffus.

Wieder zurück zum Hotel, einchecken. Die Frage, ob man abends was zu essen bekommen kann wird abschlägig quittiert. Personal ist krankheitsbedingt ausgefallen. Im „Ort“ Haukeli selbst gibt es auch nicht wirklich ein Restaurant, also bleibt nur der Feinkost-Gourmet, die Tanke. Noch ist etwas Zeit, Bilder und Videos der Drohne werden gesichtet. Dann gut einpacken, es ist an die -20 °C draußen. Abmarsch zur Tanke, die liegt nicht weit direkt an der [E134]. Dort soll es ein Burger mit Pommes sein. Und, jetzt muss ich doch mal das „Urge“ mit Carbos probieren. Nun, schmeckt fast wie Fanta, auf jeden Fall längst nicht so schlecht wie ich befürchtet hatte.

Jetzt hätte ich ja fast was unter dem Teppich verschwinden lassen. Im „Joker“ (Lebensmittelladen) der direkt am Hotel liegt habe ich mir zwei Büchsen Frydenlund Juicy IPA geholt, für später. Ich muss sagen, das schmeckt wirklich lecker. Und da es genau 4,7% Alkohol hat, darf es auch in einem normalen Supermarkt verkauft werden. So kann dann der Abend gut ausklingen. Die Wettervorhersage für morgen sagte zunächst noch erst ab 12 Uhr Schneefall in Haukeli voraus. Dann später am Abend änderte sich das dann auf 6 Uhr früh. Huppa, das muss nun aber auch nicht sein. Denn von der gesamten Strecke bis nach Kristiansand ist der Abschnitt direkt ab Haukeli meiner Erinnerung mit Abstand der kritischste, eben wegen der Steigung. Aber das muss einfach klappen.


Sa 10.02.2024 Haukeli – Kristiansand — – Hirtshals – Aarhus

Verschlafener Blick aus dem Fenster, der direkt auf die [E134] fällt, kurz vor 6 Uhr. Sieht alles OK aus, kein Schneefall. Kann das wirklich sein? Aus dem Bett raus und mal richtig gucken. Oi, da schneit es ganz fein, man sieht es eigentlich nur an den Lampen an der Straße. Frühstück gibt es erst um 8 Uhr. Im Prinzip habe ich gar keine Eile, die Fähre legt um 16:30 Uhr ab, man soll spätestens eine Stunde vorher da sein. Für noch nicht mal 300 km keine große Sache. Frühstück, alles wieder einpacken, ins Auto verfrachten. Das ist nur sehr dünn verschneit, richtig kalt scheint es auch nicht zu sein, in der Nase britzelt es nicht. Der Parkplatz ist mehr oder weniger frei von neuem Schnee (alter liegt natürlich schon), da bleibe ich nicht stecken. Abfahrt bei Außentemperatur von -10 °C. Dann die Steigung. Es läuft gut, ein Schneepflug kommt mir entgegen, meine Spur ist etwas mit Neuschnee belegt, aber nichts was hindert.

So komme ich auf der Hochebene an. Da fetzt teilweise ein heftiger Wind um die Ecken, manchmal sieht man für ein paar Sekunden nix als Schneewolken. Dann recht unvermittelt bin ich schon in Hovden, das ging ja schnell. Das Wetter beruhigt sich, es schneit zwar weiter ganz leicht aber der Wind legt sich. Langsam wird es auf der Straße belebter, aber viel Verkehr ist das nicht. Es geht ständig abwärts, es lässt sich gut fahren. Die Temperatur fällt minimal. Am Wasserfall „Reiårsfossen“ halte ich an. Sieht sehr imposant aus, er ist größtenteils zugefroren, aber an einigen Stellen stürzt doch viel Wasser herab. Schwer zu sagen wie hoch er ist, aber es ist nicht wenig.

Dann kommt langsam Kristiansand näher und das Wetter wird wieder schlechter, es schneit mehr und vor allen Dingen auf der Straße hat sich über die Zeit feinster Schnee angesammelt der mit den breiten Reifen nicht so harmoniert. Das wäre ja ein Ding, da habe ich die 12%-Steigung ohne Probleme passiert und auf der Hochebene den kleinen Sturm und dann macht mir das Wetter kurz vor dem Ziel noch einen Strich durch die Rechnung. Aber schon kurze Zeit später hörte es komplett auf zu schneien und die Straßen waren fast komplett schneefrei. Wenn man auch trotzdem aufpassen musste, denn im unteren Teil der Strecke wird es wieder sehr kurvig und ständig geht es bergauf und bergab. Damit ich später in Danmark nicht noch tanken muss also hier noch mal auftanken, immerhin mal wieder 98er Sprit.

Trotz der kleinen Pause bin ich deutlich zu früh am Terminal angekommen, der Dritte in der Schlange für die Colorline. Natürlich stelle ich meinen Motor gleich ab und lasse den nicht die ganze Zeit vor sich hinrumpeln. Das Zeitgefühl verschwimmt etwas, ich glaube es hat fast eine Stunde gedauert bis der CheckIn beginnt. Es ist eine Sache von Sekunden in denen ich meine Bordkarte habe. Tja und dann heißt es warten auf die Fähre von Hirtshals.

Es fetzt ein heftiger Sturm am Kai entlang. Sogar meine flache Karre wackelt ein paar Mal. Was wird das nachher nur für eine Überfahrt, wenn es hier im Hafen schon so windig ist. Aber wenn Probleme in Aussicht stünden hätten sie die Leute ja nicht eingecheckt, so der Versuch zu argumentieren, dass die Strecke wohl prinzipiell bedient werden wird. Blick nach rechts aus dem Seitenfenster, Blick aus dem Hafen hinaus, soweit man durch die Schneewolken gucken kann. So langsam denke ich müsste die Fähre mal um die Ecke biegen, sie muss ja noch rückwärts einparken, alles muss von Board und die neuen Gäste wieder drauf. Von früheren Überfahrten weiß ich, dass die Fähre manchmal schon ein paar Minuten vor der Zeit abgelegt hatte.

Dann, 15:30 sieht man etwas Schemenhaftes. Ja, das wird sie wohl sein, alles geht seinen Gang, einparken der Fähre. Da vor mir einige Fahrzeug die Sicht versperren kann ich nicht genau sehen, wann die Fahrzeuge die Fähre verlassen. Aber eines steht fest, so lange die Ladebrücke noch oben ist fährt da niemand von Board. Und die Ladebrücke bewegt sich keinen Millimeter. Wo klemmt es denn da nun… Irgendwann senkt sie sich doch. Im Auto ist es mittlerweile echt frisch geworden, aber den Motor anzustellen kommt nicht in die Tüte.

Endlich, die Fahrzeuge setzen sich in Bewegung. An einer Stelle werden sie sortiert. Fast alles fährt noch auf einen anderen Platz. Ich fahre über die Rampe nach oben und bin das zweite Fahrzeug auf diesem ganzen Deck. Ich gehe schnurstracks in die Business Class, dort ist sonst noch niemand. Ich platziere mich. Noch eine Person kommt. Jemand vom Personal prüft die Tickets. Erst mal ein paar Klamotten aus, vor allen Dingen brauch' ich nun nicht mehr die dicke Mütze auf der Rübe, im Auto war sie sehr gut gelitten.

Dann legt die Fähre doch erstaunlich spät ab. Ich gucke nicht auf die Uhr. Die üblichen Ansagen kommen. Wir werden wohl mit einer halben Stunde Verspätung in Hirtshals ankommen, die Wellenhöhe soll bei 5 Metern liegen, man würde Schiffsbewegungen wahrnehmen. Ja, nach einer kurzen Weile fängt es etwas an zu schaukeln, aber nicht sehr heftig.

Ich hole mir was aus dem Bistro, draußen ist es geradezu gespenstisch still, keine rumhüpfenden Kinder, der Selbstbedienungs-Restaurant-Teil ist nur sehr spärlich besetzt. So leer habe ich das noch nie gesehen. Wieder zurück von der relativen Stille in die absolute Stille. Zeit für das Abendmahl. Lecker.

Es ist 18:40 Uhr, in gut einer Stunde sollten wir ursprünglich ankommen, nun also eine halbe Stunde mehr.

Vor mir an den beiden große Bildschirmen laufen die gleichen Kurznachrichten in Endlosschleifen, die drei gleichen Stories immer wieder, dazwischen Werbung von Colorline. Das Schiff schaukelt, aber es hält sich in Grenzen. Zeit für eine Pause.

Ansage: Wir kommen erst um 20:45 Uhr in Hirtshals an, also eine Stunde Verspätung. Checkin im Hotel ist bis 23:30 Uhr möglich. Das sollte reichen, auch wenn ich im Moment nicht mehr auf dem Schirm habe wie viele Kilometer noch zu fahren sind.

Zum Schluss war es dann doch mehr als eine Stunde Verspätung. Um noch pünktlich am Hotel anzukommen werden heute den „Pferdchen“ mal kräftig die Sporen gegeben. Bis auf 130 km/h wird die Karre hochgejazzt, unglaubliche Fliehkräfte pressen mich in den Sitz, solche Geschwindigkeiten bin ich ja gar nicht mehr gewohnt. Ende vom Lied war, das Hotel hat 24/7 geöffnet. Also umsonst das kostbare Benzin verschleudert.

Der Parkhauslift war übrigens defekt. Man konnte als Alternative im Parkhaus gegenüber parken oder an der Straße. Ab 23 Uhr war es - an der Straße - sogar kostenfrei bis 8 Uhr. Und am Sonntag ist es eh gebührenfrei. Ich solle aber doch lieber mein Nummernschild am Parkautomat registrieren, meinte der freundliche junge Mann am Checkin des Hotels. Also gut, bevor es hier doch noch böse Überraschungen gibt registriere ich halt das Schüsselchen.


So 11.02.2024 Aarhus – Hahnstätten

Das Frühstück wird im obersten Stock eingenommen, es hat einen netten Blick. Die Stadt schläft noch bei meiner Abfahrt.

Gestern Abend war es ja schon stockdunkel, aber es war trotzdem deutlich zu sehen, es lag eine ordentliche Menge Schnee in Danmark.

Im „Netto“ in Padborg habe ich den ganzen Vorrat an Karrysild eingepackt, 10 Gläser.

Nach Hause ging es heute dann mit fast durchgehend Tempomat bei 110 km/h. Es gab keine Stockungen geschweige denn Staus.

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