Unterkunft
SunriseSunset
Das Frühstück habe ich heute nicht allzu üppig ausfallen lassen, speziell bei den Flüssigkeiten habe ich mich eher etwas zurück genommen. Auf der späteren „Villmarksafari med elektrisk snøscooter“ („Wilderness safari with electric snowmobile“) gibt es vermutlich keine gute Gelegenheit etwas zu erledigen. Kurz vor 9 Uhr hatte ich mich vor das Hotel gestellt, es standen schon einige andere Leute dort, wie sich dann aber schnell herausstellte wollten die alle zur Hundeschlitten-Tour. Das Abholfahrzeug für mich kam etwas nach 9 Uhr, eine junge Frau stieg aus und begrüßte mich gleich mit Namen. Ja, da gäbe es ein Problem. Die elektrisk snøscooter stehen nicht zur Verfügung, es gibt technische Probleme mit den Akkus. Option a) ich storniere die Fahrt und bekomme mein Geld zurück oder Option b) ich nehme Teil und die Fahrt findet mit einem herkömmlichen Benzinfahrzeug statt, die Differenz wird erstattet. Auch wenn ich ja ausgerechnet nicht diese stinkenden lauten Teile verwenden wollte, habe ich dann doch zugesagt.
Im Abholfahrzeug saßen nur noch weitere 3 Personen, ein norwegisches Paar und ein Eidgenosse, wie sich heraus stellte. Und zwar aus der deutschsprachigen Schweiz. Zunächst wurde die Ausrüstung verteilt, jeder Teilnehmer bekommt Schuhe, eine Balaklava (Balaclava), also eine Sturmhaube, einen Helm und einen warmen Anzug. Da hätte ich mir eigentlich einen Teil meiner eigenen Ausrüstung sparen können. Der Raum in dem wir die Sachen ausgehändigt bekommen haben war sehr warm, schon beim Anprobieren gerät man leicht ins Schwitzen. Dann gab es noch eine kurze Einweisung über das Verhalten in der freien Natur und natürlich wie der Scooter funktioniert. Erstaunlich einfach, man muss nur Gas geben, die Bremse braucht man eher selten, denn sofort wenn man das Gas weg nimmt verlangsamt sich die Fahrt rasch.
Also dann nach draußen und aufsitzen. Amelie, so der Name der jungen „Expeditionsleiterin“, aus Frankreich stammend, fuhr vorneweg. Alexander, der Schweizer hinterher, dann folgte ich und als letztes Fahrzeug schon die Norweger, er fuhr, sie als Sozius. Also eine sehr kleine Gruppe. Wenn man um die Ecke will, was man auf dem Gelände wo die ganzen Scooter stehen, ein paar Mal machen muss, dann benötigt es schon etwas Kraft, aber sonst fuhren wir ja quasi nur geradeaus. Während der Einweisung sagte Amelie noch, dass wir so mit ca. 30 km/h fahren werden, vllt. auch mal 40 km/h. Es dauerte nicht lange da hatten wir auch kurzzeitig um die 50 Sachen drauf.
Wir waren noch nicht lange gefahren, da fielen die Norweger zurück, wir hielten an, aber dann kamen sie zügig nach. Was genau los war hatte ich nicht genau verstanden. Der Norweger war übrigens der Einzige mit Scooter-Erfahrung.
Erster Haltepunkt war der alte Flughafen, es gab ein paar Erläuterungen zu den historischen Fakten zu denen ja im zweiten Weltkrieg die Deutschen unrühmlich beigetragen hatten. Eine andere Begebenheit wusste ich allerdings noch nicht, nämlich dass ein Flugzeug mit russischen Bergbauarbeitern an einem Berg zerschellte und dabei alle umkamen. Das war der Grund dafür die russische Siedlung Pyramiden aufzugeben. Allerdings haben damals auch erstmals nach dem zweiten Weltkrieg die Russen und Norweger zusammen gearbeitet um das Unglück aufzuarbeiten.
Da wir sehr flott unterwegs waren konnten wir weiter fahren als normal üblich. Also wieder aufsitzen und weiter geht es in das Adventdalen hin. Der Name kommt übrigens von Adventure Bay, also Abenteuerbucht, dass die Norweger der leichten Aussprache wegen umbenannt hatten. Wir hielten dann nach einer ganzen Weile wieder an. Neben uns lag ein ungewöhnlicher kleiner Hügel, bestehend aus Geröll und auch aus purem Schnee und Eis. Bei der Frage von Amelie was das wohl sein könnte konnte ich natürlich mit meinem Wissen von der letztjährigen Tour antworten, ein Pingo. Dieses Exemplar hier war deutlich mächtiger, man hätte es so ohne weiteres nicht besteigen können, so steil ging es bergauf. Dann gab es noch das leckere süße und heiße Getränk auf Basis von Solbær zu trinken, lecker.
Mittlerweile war es auch etwas heller geworden, Uhrzeit dürfte so nach 11 Uhr gewesen sein. Aber es war trüb und etwas windig, Temperatur aber noch im einstelligen Minusbereich. Nach dem Aufenthalt ging es dann wieder zurück, die gleiche Strecke. Es dauerte nicht lange da kamen die ersten anderen Scootergruppen entgegen, mit deutlich mehr Fahrzeugen. Ein Hundeschlitten kam uns entgegen, den umfuhren wir etwas weiträumiger. Plötzlich hält der Tross noch mal an, rechterhand ist eine kleine Gruppe von Rentieren. Sie sucht stoisch nach Flechten oder was sie sonst so fressen.
Die Tiere hier auf Svalbard sind kleiner, kompakter, haben kürzere Beine, als die Verwandten auf dem Festland. Die Beine können sie temperaturtechnisch so runterfahren, dass das Blut nur noch knapp 0 Grad hat.
Dann weiter. Es kommen immer mehr Scootergruppen entgegen. Wir hatten also eine gute Nase eine so frühe Tour zu nehmen, was quasi freie Bahn bedeutete. Als wir schon fast wieder am Ziel/Ausgangspunkt angekommen waren, fuhr gerade eine große Gruppe vorbei, die wir passieren lassen mussten, weil es sonst für zwei Reihen zu eng geworden wäre. Die Fahrzeuge fuhren im Schneckentempo vorbei, stotternd, das erste was ich dachte, war genau das, was Alexander zu mir sagte, als wir unsere Fahrzeuge geparkte hatten. „Was hatten wir doch für ein Glück mit so einer kleinen Gruppe unterwegs gewesen zu sein, die so viel schnittiger vorwärts kam.“
Dann wurden wir wieder zu den Unterkünften gebracht. Zeit sich noch in Ruhe umzuziehen und in den Kroa zu laufen. Dort dann ab 13 Uhr „Hot Club de Norvège“. Ich hatte mir keinen Sitzplatz reserviert, bekam aber trotzdem noch ein Plätzchen, wo ich eine Suppe löffeln konnte. Die Musik war dann einfach grandios, mehr oder weniger die einzige Jazzmusik des Festivals. Alexander hatte ich dann dort noch gegen Ende getroffen, er hatte auch noch das Konzert im Gruvelaget gebucht. Ich ging noch mal ins Hotel zurück. – Kurze Auszeit – In der „Barentz Pub & Spiseri“ ein sehr leckeres Essen eingenommen. Dort war ich schon seit ein paar Jahren nicht mehr, ist aber auch nach der kleinen Renovierung immer noch eine nette Location.
Dann noch ein kurzer Schnack mit Tyskland, mit der Person die eigentlich hätte da sein sollen. 😎 Aber ich verstehe schon, so eine Reise ans Ende der Welt ist nicht so einfach, selbst wenn man komplett mit dem Flieger an und abreist ist man eine Woche unterwegs. Das ist nicht family-kompatibel. Aber die Kids werden ja größer und flügge, wer weiß. Svalbard ist auf jeden Fall einer der speziellsten Orte des Planeten, wie ich finde.
Gegen 20 Uhr Aufbruch zum Konzert, dabei keine Eile, die beginnen nie pünktlich. So war es auch, der Zuschauerraum erst spärlich gefüllt. Zuerst spielten „Oslo Ess“. „Helvete“ (Hölle), was ein Getöse. Musikstil geschrammelte Heavy-Metal Musik. Eigentlich jedes Lied irgendwie ähnlich und lauter als das andere. Ich will nicht wirklich sagen, dass es mir nicht gefallen hat, aber 5-6 Lieder hätten mir auch gereicht. Aber das Publikum war absolut und unbedingt aus dem Häuschen. Es folgten so viele Zugaben wie glaube ich noch bei keinem Konzert das ich erlebt habe. Dann die obligatorische Umbaupause. Ich war sehr gespannt auf „Harald Tusberg Jr. & Bugge Wesseltoft med Ronni Le Tekrø“. Hmm, was soll ich sagen, das war irgendwie etwas „creepy“ (gruselich). Der Sänger war ein mehr als schräger Vogel, es fehlten einige Zähne, aber vor allen Dingen schien mir der Typ entweder stoned/bekifft oder er hatte einen in der Krone. Ich beobachtete Bugge zwischendurch immer mal wieder und er schien mir den Eindruck zu machen etwas angesäuert zu sein. Beim Bassisten hatte ich die Befürchtung, dass er jeden Moment einschläft oder sonst wie wegdämmert. Aber es wurde doch von Einigen aus dem Publikum eine Zugabe gefordert die auch gegeben wurde. Und da muss ich sagen, dass war das beste Stück, die „Zahnlücke“ war nicht so involviert und fiel daher nicht so negativ auf.
Der Plan war ja sich noch „AWESOMESAUCE“ im Huset anzuhören, aber mir qualmten die Füße vom vielen Stehen, dann doch lieber zurück und sich noch in der „Barentz Pub & Spiseri“ ein oder vielleicht zwei „Svalbard Bryggeri“ Bierchen zu gönnen, die letzten für diese Saison. Hölle, der eigentliche Trip ist schon wieder vorbei, ab jetzt folgt „nur“ noch die Rückreise. Ja, klar, die wird auch noch spannend. Es soll ein paar Abweichungen vom Inlandsvägen geben, hoffentlich klappt die Fahrt über Glöte dieses Mal.
Es ist jetzt kurz nach ein Uhr, das Publikum im „Barentz Pub & Spiseri“ hat sich schwer gelichtet. Es sitzt nur noch eine kleine Gruppe Dänen da, und ich könnte mir vorstellen, gegen die ziehe ich den Kürzeren. Ich aktualisiere jetzt noch kurz die Homepage und dann ist Schluss.