Das war ja nicht die erste Norge-Tour (seit 2004 die Fünfte) und es wird einfach nicht langweilig. 😎
Tageslicht
Einen Nachteil hat diese Jahreszeit, je weiter man in den Norden kommt desto weniger Möglichkeiten hat man bei Tageslicht zu fotografieren, mehr als 1-2 Stunden Schummerlicht bleiben da kaum. Deshalb auch die schwache Ausbeute. Eigentlich ein Grund endlich mal im Sommer in die Gegend zu fahren. Wenn man sich allerdings anhört was die Nordkapp-Führerin auf meine Frage wie es denn in der menschenleeren Nordkap-Halle im Sommer aussieht antwortete, dann bleibt man (oder ich) am besten doch besser zu Hause. Da stapeln sich nämlich die Touris, fallen mit Camping-Autos auf der Klippe ein und bereits der Gedanke an das alleine damit verschandelte Kap lässt einem die Zehennägel aufrollen.
Hurtigruten
Mein Eindruck war, die haben etwas nachgelassen in ihrer Leistung. Das Frühstücksbuffet, das nun ca. 18 € kostete (bei den ersten Fahrten waren es meine ich noch 15) war wesentlich „übersichtlicher“ gegenüber früher. Klar, man wurde satt, aber es fehlte der lecker eingelegte Fisch, es gab keinen Joghurt, der Orangensaft war eher mittelprächtig. Die gereichten Speisen á la Carte im Bistro waren aber ausnahmslos lecker und reichhaltig. Der Reiseleiter an Bord hat sich viel Mühe gegeben. Alle Ansagen wurden in Norwegisch, Englisch und Deutsch durchgegeben. Und er war auch so nett das Auftreten des Nordlichts anzusagen.
Bahnfahren
Nicht nur die Deutsche Bahn ist unpünktlich, die Norweger und Schweden können das auch. Letztlich hatte alles für mich keine negativen Folgen, alle Ziele wurden prinzipiell erreicht und die Verspätungen zu verschmerzen. Der deutsche 1. Klasse Schlafwagen war rückblickend vom Raumangebot her unschlagbar. Ein breites und genügend langes Bett, ein Tisch und zwei Sessel drum herum, Garderobe, Abstellflächen für Koffer und Taschen. Nur, die Nasszelle war eher was für südamerikanische Pygmäen. Sein „Geschäft“ bei geschlossener Tür zu verrichten wäre nicht möglich gewesen, die Kniee ragten ins Abteil und in der Dusche war es besser wenn einem nix runter fällt, zum Bücken wäre es zu eng gewesen. Der norwegische Schlafwagen war eine mittlere Ölsardinen-Büchse. Eigentlich für zwei Leute ausgelegt hätte man darin mit entsprechendem Gepäck seine höchste Not gehabt. Gemeinsam bewegen hätte man sich nicht können, einer hätte im Bett liegen bleiben müssen. Das Bett selbst war sehr schmal. Da es in Norge keine 1. Klasse gibt habe ich für die Tagesstrecken NSB Komfort gewählt. Die entsprechenden Wagen sind zwar auch 4-sitzig bestuhlt, aber der Wagen liegt immer an Ende des Zuges, da gibt es keinen Durchgangsverkehr, sehr angenehm.
Außerdem hat es Kaffee, Tee und Zeitschriften (allerdings nur norwegische) gratis. Die schwedische 1. Klasse kommt wohl der Deutschen recht gleich, 3 Sitze in der Reihe und gute Beinfreiheit. Auch hier gibt es Kaffee, Tee und Zeitschriften (allerdings nur schwedische) gratis. Bei meiner Verbindung am Morgen von Stockholm C nach København H gab es sogar ein kleines Frühstück dazu. Und WLAN-Zugang ist auch gratis. In der 1. Klasse von København H nach Hamburg Hbf gibt es einen Gutschein für das Board-Bistro, Wert 2,50 €. Immerhin erhält man dafür einen Kaffee und ein Croissant, das diesen Betrag weit überschreitet. Im ICE von Hamburg Hbf fragt die 1. Klasse Service-Kraft ob es was aus dem Bistro sein darf, ich ordere eine Kaffee (naiv wie ich war dachte ich der wäre gratis), der macht dann aber schlappe 2,90 €. Ist das mit dem Gratis-Kaffee- und Tee in Norge und Sverige (in der Komfort bzw. 1. Klasse) nun ein Verlustgeschäft für die Betreiber oder stellt sich die DB da einfach nur zu ömmelig an um da in der 1. Klasse unkompliziert eine Kaffeekanne und eine Kanne mit heißem Wasser und ein paar lumpige Teebeutel hinzustellen, wo sich die Passagiere bedienen können?
Thema Internetzugang im Zug. Bei den Schweden geht das ganz einfach. Hat man 1. Klasse gebucht dient die Biljettnummer als Passwort für den kostenlosen Zugang, ganz einfach. Und nebenbei, der Zugang funktioniert auch dann noch wenn man die Øresundbrücke überquert hat und in Danmark angekommen ist. Bei der DB gab es im Zug von Hamburg in Richtung Süden überhaupt keinen Internetzugang (und der Stromanschluss war immer mal wieder gestört). In der Rödelkiste von København H nach Hamburg Hbf hatte ich das schon gleich gar nicht probiert. Börsenbahn sag ich da nur.
Der (deutsche Diesel-) ICE von København nach Hamburg dröhnt das einem die Ohren wech fliegen, grauenhaft, nicht mal im „Ferkel-Taxi“ war es früher so laut. Am Fensterplatz hängt direkt unter dem Tisch der übliche Abfallkasten. a) hängt der ständig im Weg rum und b) man muss dauernd drauf achten, dass man sich da nicht heftig die Knochen dran stößt. O., haben das deutsche Ingenieure verbrochen?
Ziele
Also nach Bergen muss ich nicht mehr, entweder regnet es in Strömen, es liegt kein Krümel Schnee (wenn sonst in Norge wahre Massen an Schnee liegen) und überhaupt, eine 0,5 l Flasche Bier mit einem „schrägen“ Geschmack für 12 €. Da steigt man das nächste Mal vielleicht doch besser in Finse aus. Auf der Rückfahrt von Bergen in Richtung Olso war es dort einfach traumhaft schön. Klar, wenn es dort stürmt und schneit kann man vermutlich nicht vor die Hütte und auf 1.222,2 Höhenmeter fällt das Thermometer wohl öfter auch deutlich unter -20 °C.
Epilog 2010/12