Unterkunft
SunriseSunset
Heute steht also ein „Pausentag“ in Geilo an. Ein sehr sehr seltener Luxus. Zwei Nächte (oder mehr) an einem Ort ohne ganz triftigen Grund sind eigentlich nicht meine Sache. Was genau ich wirklich unternehmen kann ist mir nicht so wirklich klar. Es gibt durchaus einige Optionen, aber die hängen doch alle von einigen Bedingungen ab. Ich lasse mich mal positiv überraschen.
Das Frühstück hatte ich zeitlich mal ganz entspannt begonnen, heute keine Termine. Auf das Wetter hatte ich noch gar nicht so genau geachtet, außer, dass der Sturm sich komplett gelegt hatte, es war hell draußen, das reichte zu wissen. Temperaturmässig kann es so heftig (kalt) laut Vorhersage nicht gewesen sein, aber ich präparierte mich doch besser ordentlich, der Wind ist ja auch ein Faktor. Der junge Rezeptionist gab mir ein paar Tipps bzgl. der Lifte an den Pisten und dem Weg um den See.
So vor der Hoteltür stehend sah das ja alles vorzüglich aus. Richtung Norden das war ein Bilderbuchblick, frische und noch fast „unverwedelte“ Pisten vor strahlend blauem Himmel. Ich entschied mich aber auf die andere Talseite zu gehen um dort zu versuchen den Berg per Sessellift zu erklimmen, um dann die Sonne im Rücken zu haben. Alleine der Weg dort hin war eine Wonne. Knirschender Schnee vom Feinsten, die Sonne kommt langsam über den Berg rüber, Schnee ohne Ende, das ist schwer zu toppen.
Die Talstation der Skilifte kommt in Sichtweite. Lage peilen wo man eine Fahrkarte kaufen kann. Und hier tritt das Landei mit 180 Sachen in die Realität ein. „Fahrkarte“, in welchem Jahrtausend gab es das nochmal? Den Skipass bestellt der „Toni-Sepp“ natürlich online oder per App. Frage am Infopoint, ob ich eine einzelne Fahrkarte für eine Berg- und Talfahrt kaufen kann? Äh, nein, im Winter geht das nicht, im Sommer schon. Im Winter geht es nicht, weil sie im Notfall kein Personal hätten die Leute zu retten, falls was auf der Talfahrt wäre. Ich wollte den beiden Mädels nun nicht widersprechen, die werden die Regeln nicht gemacht haben. Ich trolle mich, durchaus enttäuscht aber auch etwas ungehalten. Also wenn der Lift sicher ist nach oben zu fahren und es wohl hoffentlich Personal gibt die Leute zu bergen, dann sollte das wohl auch für eine Talfahrt sicher sein. <gnarf>.
Egal, dann investiere ich die gesparte Fahrkarte eben anderweitig. Also dann suchen wir mal den Einstieg in die Loipe um den See, nicht unweit der Talstation soll das möglich sein. Die Stelle ist schnell gefunden. Ja, das Laufen (in der Mitte natürlich) der beiden gespurten Loipen ist schon etwas anstrengend, mal mehr mal weniger sinkt man ein, jetzt nicht knöcheltief, aber das kostet auf die Entfernung schon Kraft. Schleichend ziehen Wolken auf. Die Streckenführung mäandert mehr oder weniger flach in leichten Kurven durch das Gelände. Der gesamte Rundkurs ist ca. 10 km lang, da ist also schon ein wenig Ausdauer gefragt. Es zieht sich mehr zu und ganz fein, sehr fein, fallen da ein paar Schneeflöckchen.
Wenn man sich wenigstens mal irgendwo hinsetzen könnte, aber da ist nichts. Doch da, ein mehr oder weniger komplett eingeschneiter Tisch dessen beiden Bänke komplett im Schnee versunken sind. Zwei Leute stehen dort und rasten. Ich frage auf Englisch, ob ich mich dazu setzen darf, die Antwort deucht mir, dass das Landsleute sind. So ist es auch. Kurzer Schnack. Und schon geht es weiter. Bald muss die Brücke kommen. Fast wäre ich vorbei gelaufen, denn die Loipenspur führt gar nicht darüber. Das wäre auch gar nicht möglich gewesen, denn das ist eher ein Brückelchen, auf der so viel Schnee liegt, das er das Geländer überragt. Man muss sich wundern, dass das Konstrukt unter der Last nicht zusammenbricht.
Weiter geht es. Eigentlich müsste es nach der Brücke auch wieder zurück nach Geilo gehen, am anderen Seeufer entlang. Aber eine kleine Strecke des Weges ist komplett verschneit, zurück wollte ich jetzt nicht mehr, also dann zur Straße hoch. Nee, da ist kein Fußgängerweg, dann eben an der Landstraße entlang. Ist nicht so schlimm, der Verkehr hält sich in Grenzen und gerast wird auch nicht. Ja, der Weg zurück zieht sich doch, aber er lässt sich wesentlich leichter laufen. Wieder im Zentrum angekommen.
Einschub: Es ist 20 Uhr und die Wettervorhersage sagt für die ganze Nacht Plusgrade für Geilo voraus. Verrückt. Und die Windböen sollen immer noch heftig sein, also bis 24 m/s. Einschub Ende.
So ein wenig Hunger hätte ich schon. In einem Café war ich kurz drin, aber auf Süßkram hatte ich keine große Lust. Ohne jetzt noch weiter zu suchen landete ich in einem Peppes Pizza, jetzt sicher nicht die erste Adresse für norwegische Spezialitäten. Es hatte sich mittlerweile fest zugeschneit. Zurück ins Hotel, mal etwas abhängen. Aber jetzt so den restlichen Tag im Zimmer vor sich rum lungern, das geht ja auch nicht. Noch mal Klamotten anziehen und raus ins heftige Schneegestöber, die Flocken werden immer dicker, eigentlich ein Zeichen dafür, dass es wärmer wird.
Das gesparte Liftgeld musste ja auch unter die Leute gebracht werden. In wintertaugliche Klamotten etwa, da sollten die Norweger ja Ahnung von haben. Was man vermutlich bei uns erst in der nächsten Saison ausprobieren können wird.
Da schneit eine SMS herein, das ist ja was ganz super Außergewöhnliches bei mir. Oioioi, die Fähre wird morgen verschoben von 12:15 Uhr auf 17:30 Uhr, wegen schlechter Wetterverhältnisse. Tja, das ist ja auf der anderen Seite ganz nett, weil ich kann noch in Ruhe frühstücken und bequem der Einladung des Forumsmitglieds H. folgen, aber ich komme dann auch gut 5 Stunden später an. Das wird dann ja schon ziemlich spät für das Hotel in Aarhus, fast Mitternacht. Zwei Stunden dauert die Fahrt von Hirtshals noch bis nach Aarhus. Aber es kommt wie es kommt.
Jetzt zu angenehmeren Dingen, Abendessen. Ups, ob ich einen Tisch bestellt hätte werde ich gefragt, nein habe ich nicht, man richtet mir ein Plätzchen ein, ich soll mich so lange an der Bar gedulden. Es stürmt ein ganzer Pulk neuer Gäste an die Rezeption, alle bepackt mit Skiausrüstung, ja, klar, es ist Wochenende und morgen steppt hier wohl der Bär. Nach wenigen Minuten werde ich platziert.
Heute darf es das Elk-Stew sein. Das ist mindestens so lecker wie der Lachs gestern Abend. Mit einem Gläschen Rotwein sitze ich anschließend in der Lobby, es läuft sehr coole Mucke. Schneefall und Sturm haben sich etwas beruhigt, aber für lange hält der Zustand sicher eh nicht.
Der Internet-Anschluss hier im Hotel ist wirklich übel, arbeiten die noch mit einem Akustikkoppler? Das ist völlig untypisch für Norge. Selbst in Longyearbyen war das alles pfeilschnell.
Ein Blick nach draußen, das sieht gar nicht gut aus. Ich glaube es hat vorhin bereits geregnet. Auf den Autos liegt kein Schnee mehr, das komplette Blech ist zu sehen. Und die Straße schimmert wie wenn es eine Eisschicht wäre. Bei yr.no steht immer noch „Kraftig snøfokk: Gult nivå“. Es ist also immer noch Schneegestöber gemeldet. Wie das mit den Plusgraden harmonieren soll ist mir allerdings ein Rätsel.
Selbst auf 1.100 m, dem Vasstulan Høyfjellsseter, sollen es Plusgrade werden heute Nacht.