Unterkunft
SunriseSunset
Auf diesem Streckenabschnitt gibt es nicht wirklich viele (sinnvolle) Alternativen, also immer auf der [E16] entlang. Da die Tagesetappe aber dieses Mal nicht sonderlich lange ist (ich starte ja weiter nördlich als früher von Kirstinehamn oder Karlstad aus) sind ein paar Kilometer Umweg nicht tragisch und bringen etwas Abwechslung. Möglich wäre es in Malung in nordwestlicher, statt nordöstlicher, Richtung zu fahren, auf der [66]. Statt 492 km wären es dann 526 km.
Auf der Karte sieht das auf den ersten Blick harmlos aus, aber unmittelbar an der Wegstrecke (einem Abschnitt auf der [311]) steht ein Berg (Fjätervålen) mit 1001 m. Auf einem Streckenabschnitt geht es auf 847 m ü. d. M. hoch und G__gle Streetview zeigt eine sehr schmale Single-Track-Road. Üha, ob diese Straße im Winter überhaupt befahrbar ist, kaum zu glauben. Die vorgeschlage Strecke, 7 Std. 12 Min. / 601 km. Da wäre allerdings der Straßenabschnitt der auf 847 m hoch geht nicht dabei.
Wenn man sich das auf G__gle Street View anschaut, dann ist die [311] keine Straße auf der man im Winter fahren will, das ist ein besserer Feldweg, keine zwei Fahrspuren. Nee, also so kleine Kreisstraßen, das muss man sich erst mal abschminken. Einen kleinen Schwenker könnte man allerdings in Sveg nehmen, statt dort weiter auf der [E45] in Richtung Osten zu fahren, kann man auf die [84] in Richtung Westen fahren und trifft dann vor Åsarna wieder auf die [E45].
Bezügl. Kartenmaterial für eine Überprüfung, ob bestimmte Streckenabschnitte auch im Winter befahren werden können, bin ich im Norwegen-Freunde-Forum verwiesen worden auf den „Sverige Vägatlas“ von Motormännen und auf eine Faltkarte von Q8 (einer Mineralölgesellschaft die man in Skandinavien findet). Den Atlas in Deutschland zu erwerben macht keinen Sinn, da werden Preise aufgerufen von bis zu 40 €, in einem schwedischen Versand kostet er gerade Mal ca. 21 €.
Bei dieser Recherche bin ich über eine neue Seite gestolpert: https://www.eniro.se/.
Der Versuch den Inlandsvägen heute ein ganzes Stück links (im wahrsten Sinne des Wortes, denn ich bin westlich quasi parallel gefahren) liegen zu lassen gelang im Prinzip schon ganz gut, aber nicht auf der eigentlich angedachten Strecke. In Malung bin ich wie vorgesehen korrekt auf die 66 gefahren und dann später zur 311 gewechselt. Das Navi wollte mich die ganze Zeit wieder auf den rechten Pfad führen und hätte mich zu der Jahreszeit mehrfach in unpassierbare Streckenabschnitte geführt.
An einer Verzweigung bot sich eine gute Gelegenheit am Straßenrand anzuhalten und mal wieder die Reifenkästen von Schnee und Eis zu befreien, nicht das letzte Mal für heute. An der Stelle war auch noch klar, dass ich eine ganze Weile der 311 folgen muss. Das Navi hatte dann auch plötzlich ein Einsehen und wollte mich endlich nicht mehr zurück nach Malung schicken. Aber wenn man sich die weitere vorgeschlagene Strecke ansah wurde klar, dass ich dann in Mora raus kommen würde, dabei würde ich sogar wieder etwas in Richtung Süden fahren. Hmmm, aber die weitere Strecke auf der 311 nahm gar kein Ende und führte immer weiter nach Westen und die Straße die ich als über Glöte führend entdeckte war von der Darstellung nur eine graue Straße, auf so einer war ich glaube ich hier oben noch gar nicht unterwegs. Egal, lange Rede kurzer Sinne ich bin in Richtung Mora gefahren, was jetzt nicht bedeutete, dass mir Straße und Gegend nicht gefallen hätten, ganz im Gegenteil, es war ein Traum.
Nicht mehr weit von Mora entfernt sah ich einen Wegweiser nach Sveg, ja hallo, da will ich doch auch vorbei, besser gesagt sah der ursprüngliche Plan sogar vor in Sveg wieder auf den Inlandsvägen zu treffen. Also bei der nächsten Gelegenheit erst mal anhalten und in einer vernünftigen Papierstraßenkarte die Lage peilen. Ja, das wird gemacht, also doch nicht bis zum bitteren Ende nach Mora, sondern über eine Straße deren Nummer mir jetzt entfallen ist in Richtung Sveg. Das war dann der zweite Umweg an diesem Tag.
Kaum war ich auf der Strecke unterwegs - das Navi jammerte natürlich gleich wieder rum und „schrie“ pausenlos „Bitte wenden!“, natürlich schrie es nicht, der säuselnden Dame hatte ich schon am ersten Tag den Saft abgedreht, das hält ja keiner aus, das ständige Gebrabbel - kam eine dringende Nachricht die sich dann auch stimmlich bemerkbar machte und die Beifahrerin meinte dass sich die Straßensituation geändert hätte und ob ich nicht dringend einer Umleitung folgen wollte. [Was ein Bandwurmsatz].
Nein, zum Teufel, will ich nicht! Aber das Gezicke nahm kein Ende, pausenlos die gleiche Meldung, obwohl ich doch jedes Mal höflich ablehnte. Also gut, soll sie ihren Willen bekommen. Zufälligerweise war diese Umleitung aber genau der Weg den ich wirklich nach Sveg nehmen wollte, ihr erster Vorschlag führte nämlich auch wieder in Richtung Mora. Boa ey. Hatte ich eigentlich schon erwähnt, dass die erste Prognose für die Ankunftszeit bei der Abfahrt heute früh in Sunne bei 01:11 Uhr lag? Da muss man wirklich starke Nerven haben.
Ab Sveg dann also wieder auf dem Inlandsvägen. Und prompt hatte ich einen großen LKW vor mir, fast komplett in weiß, nur ein kleines blaues Band war oben um die Silos angemalt. Dem fuhr ich ewig hinterher, nicht die leiseste Chance den zu überholen, auch nicht auf kerzen geraden Strecken. Selbst in einigem Abstand war man in einer großen Schneewolke eingehüllt. Da musste man sich in Geduld üben oder einfach mal kurz anhalten und die Radkästen… man kennt das ja schon. Unterwegs noch ein kurzer Tankstopp und wieder auf die Piste.
Kurz vor Östersund zoomte ich noch mal auf die gesamte Reststrecke und dachte mir, da muss es doch auch einen direkten Weg geben als noch mal so einen großen Bogen zu fahren. Und in der Tat, das Navi war willig und spuckte eine um 2 km kürzere Strecke aus, wo man aber davon ausgehen konnte, das die nicht eine Sekunde schneller zu fahren sein wird. Was sich letztlich nicht wirklich überprüfen ließ. Aber es war eine sehr schöne Strecke, kleinere Straßen, fast immer in Sichtweite des Frösjön und da es gerade erst dämmerte konnte man davon auch noch was sehen. So kam ich also dieses Mal aus einer ganz anderen Richtung nach Östersund rein. Das Hotel war schnell gefunden. So gegen halb fünf war ich da, mit all den Umwegen nicht schlecht.
Kurz das ganze Zeugs aufs Zimmer bringen und dann die Gretchenfrage, weil im Zimmer war es sehr warm, soll man sich jetzt wirklich warm einpacken um die übliche Runde zu drehen? Ja, da muss man durch. Und es hat sich gelohnt, gut eingepackt, bin ich weiter gelaufen als je zuvor. Am Bahnhof West über die Fußgängerbrücke rüber und dann ganz am Ufer entlang bis zu der langen Straßenbrücke, dort dann unter zwei Unterführungen durch und auf die andere Straßenseite und wieder zurück, laut GPS-Logger immerhin in Summe gut 5 km. Der letzte Umweg für heute. Denn das Motto lautet ja immer noch „Man reist nicht, um anzukommen, sondern um zu reisen. – J.W.v.G.“.
Was wirklich faszinierend war, der Blick war so frei wie selten, trotzdem es schneite, aber der Schnee war so fein, das er letztlich die Sicht nicht wirklich versperrte. Als ich zurück im Hotel war hatte ich auf meiner neuen Mütze eine schöne weiße Schicht, was ich mal als gutes Zeichen deute, die Wärmedämmung der Kappe ist gut.
Dann lieber wieder die Klamotten gewechselt und das ganze dicke Zeugs ausgezogen, denn damit wäre man in einem Restaurant ziemlich schnell zerflossen. Eigentlich wollte ich ja mal was Neues ausprobieren, aber das Restaurant meiner Wahl war nicht zu finden. Beim Check der Internetseite kam dann auch ein Fehler. Also ganz „tolle“ Empfehlung auf Tripadvisor, echt jetzt.
Tja, was soll ich sagen, bin dann wieder im Tre Rum gelandet. Mir gefällt es da immer wieder und die Pizza war lecker. Das lokale IPA, selbst wenn wieder aus der Flasche, auch. Morgen wird es auch ohne ewig lange künstliche Umwege eine lange Tour, deshalb ist jetzt Feierabend.