Unterkunft
SunriseSunset
Das wird eine ziemlich lange Tour werden, auch wenn sie von der Streckenführung her eher anspruchslos ist. Alternative Streckenführungen kommen hier nicht in Frage. Es gibt schlicht keine. 😎
Heute gab es ganz viele Geschenke.
Geschenk #1:
Nach dem ich mich durch den morgendlichen Berufsverkehr in Östersund gedrängelt hatte und auf dem Inlandsvägen war warf ich mal einen Blick in den Himmel und stellte fest, dass er zumindest in Richtung Osten wolkenfrei war. Von Sonne war natürlich so früh (ca. 07:45 Uhr) noch nicht die Rede. Die Temperatur lag bei -11 °C bei der Abfahrt und fiel auf -13 °C etwas außerhalb von Östersund.
Geschenk #2: Etwas später lugte dann die Sonne ganz weit in der Ferne durch die Wolken, nur einen Moment, phantastisch. Wieder eine Weile später sah man dann die Baumwipfel gülden beschienen. Man kam aus dem Staunen gar nicht mehr heraus.
Geschenk #3: An einigen Stellen sieht man immer mal wieder die Bahngleise der Inlandsbanan und überquert sie auch mehrfach. Ich fahre also so dahin und bin an einer Stelle wo die Bahngleise für einige hundert Meter direkt und nah an der Straße entlang führen und es kommt plötzlich etwas großes aus dem Wald gefahren. Ein LKW, etwa mit Holz beladen konnte es nicht sein. Es war eine Lok mit zig Wagons, beladen mit Holz. Und das Glück konnte gar nicht größer sein, auf der anderen Straßenseite war ein Parkplatz den ich ansteuerte und den ganzen Vorgang filmen konnte. Mal sehen was da aufgezeichnet wurde.
Geschenk #4: Am Halteplatz Fiandberg war ich unachtsam vorbei gefahren, wollte mir das aber nicht entgehen lassen und habe mitten auf der Straße gedreht. Die Situation habe ich ja nun schon oft fotografisch fest gehalten, aber es hat sich trotzdem gelohnt, denn erst da ist mir aufgefallen, dass es eine Nebensonne hat (die genau in der Straßenschneise stand die im 90° Winkel zur Straße in den Wald verschwindet), die zweite Nebensonne konnte man nicht sehen. Zwar war die Nebensonne nicht so intensiv wie in 2015 in Suomi, vermutlich weil die Sonne schon zu hoch war, keine Ahnung, aber trotzdem ein faszinierendes Ereignis.
Geschenk #5: Da die Straßenführung nicht wirklich einfach nur kerzengerade von Süden nach Norden führt, sondern viele Haken schlägt, hat man die Sonne mal rechts im Seitenfenster, mal im Rückspiegel oder auch mal durch das Fahrerfenster. Wenn es im Winter einen Nachteil gibt, dann der, dass man wirklich nur an wenigen Stellen mal anhalten kann, um eine paar Fotos zu schießen. Es hat schon relativ viele Parkplätze (Buchten am Straßenrand), aber die liegen halt nicht alle so praktisch gelegen. Aber manchmal hat man Glück und man muss nur ein paar wenige Meter zurück laufen.
Gegen 13 Uhr, die Sonne schien noch wunderbar, dachte ich, so gegen 14 Uhr wird sie wohl langsam hinter den Hügeln verschwinden, aber nur wenige Minuten später war Ende, aber nicht schlimm, der Tag war sonnentechnisch schon perfekt.
Eben sehe ich auf der GPS-Log-Aufzeichnung, dass die höchste Stelle auf ca. 553 m lag, das hatte ich gar nicht mitbekommen. Gestern waren es sogar 720 m.
Ach ja, temperaturmäßig ging es gegen Ende der Fahrt auf -18 °C zu.
Die restliche Strecke von ca. 100 km zog sich etwas hin. Die Lodge wurde schon 20 km vorher ausgeschildert. Das man sie erreicht hatte merkte man schon daran, dass man die weitere Brücke neben der Straße sah, bin mir nicht sicher welche Funktion sie hat oder hatte, von der Inlandsbanan ist sie aber nicht, vllt. war es früher die Straßenbrücke.
Vor dem Hotel sah ich keine weiteren Autos parken. In den Rezeptions- und Restaurantbereich eintretend war alles leer bis auf eine junge Frau die gerade den großen Ofen mit Holz befeuerte. Der Temperaturunterschied konnte größer also nicht sein. Ich erhielt den Zimmerschlüssel, besser gesagt ein Schlüsselchen, der an einem vergleichsweise großen Geweih hängt, schon mal ein netter Einfall.
Mein Zimmer liegt in einem anderen Gebäude, der Schnee auf der Veranda knirscht herrlich. Jedes Zimmer hat einen eigenen Eingang. Das Zimmer ich recht geräumig, eigentlich ein Doppelzimmer. Es hat ein großes Sofa mit einem klitzekleinen langen Tisch davor, originelle Idee.
Kurz auspacken und dann zurück in den Restaurantteil, potzblitz, da waren fast alle Tische belegt, nur noch einer war frei, direkt am großen Ofen, da sage ich natürlich nicht nein. Zu Essen gab es das Tagesgericht, zuerst eine Tomatensuppe, die war schon mal sehr lecker, recht feurig. Dann gab es ein Stück Lachs mit Fenchel und ja, was war das eigentlich, Gemüse-Dingens halt. Ich war sehr angetan, hätte ich nicht erwartet hier draußen in der Wildnis. Nach dem Essen habe ich dann den Platz am Tisch gewechselt, direkt am Ofen war es dann doch zuuu warm.
Statt sich nun aufs Zimmer zu verziehen blieb ich sitzen und schreibe nun hier. Was wirklich schade ist, dass man von der Straße aus niemals vermuten würde, dass es hier so urgemütlich ist, überhaupt, dass geöffnet ist.
Das Bierchen ist leer, übrigens noch ein übrig gebliebenes Jul Öl namens Arboga. Zeit zu packen und durch die Kälte aufs Zimmer zu verschwinden.
Frühstück gibt es morgen erst ab 8 Uhr, alles voll entschleunigt hier oben. Aber die Strecke morgen ist vergleichsweise kurz, nur 422 km, statt wie heute 752 km. Laut Wetterbericht soll es morgen hier um 8 Uhr -26 °C sein, ich bin gespannt, das wäre eine Premiere, so kalt hatte ich es auf Skandinavien-Touren bisher wissentlich noch nicht. Für Tromsø sind -7 °C prognostiziert, bei Sonnenschein. Also beste Voraussetzungen für Nordlichter. Longyearbyen macht mir allerdings etwas Kopfzerbrechen, es sind nur lausige -3 °C vorhergesagt, ja zum Donnerwetter noch mal, das kann doch nicht wahr sein.