Unterkunft
SunriseSunset
1 Heute ist der Unterschied zwischen Sonnenaufgang und Untergang zwischen Zuhause und einem Urlaubsort am längsten.
Um 18:00 Uhr ist eine Ölprobe, äh, Bier-Verkostung gebucht. Und zwar in der nördlichsten Brauerei der Welt, der „Svalbard Bryggeri“. In der Gebühr von ca. 40 € sind fünf Ölproben enthalten. Dauer ca. 1,5 h.
Das erste Abendkonzert um 20:00 Uhr im Kulturhuset mit Eberson. Dann um 22:00 Uhr Hellbillies. Um Mitternacht zum Abschluss im Huset der Circus Dos Mosquitos. Im Prinzip liegt das Huset ja auf dem Nachhause-Weg und im Huset [2] war ich bisher noch nie. Es soll ja einen legendären Weinkeller dort haben mit über 20.000 Flaschen Wein.
2 Restaurant med nordiske smaker, med inslag av lokale råvarer i kombinasjon med Vinkjellern som er blant Skandinavias største med over 20.000 flasker. Arktiske nature som ligger rett utenfør døren. Velkomen til Huset og Svalbard.
Heute war es bewölkt und der Wind pfiff um die Nase. Am Nachmittag zeigte das Wetterdisplay -3 °C und gefühlt -9,nochwas°C, was hinkommen mochte. Zum verspäteten Mittagessen, also fast schon zur Essenszeit des middag war ich in der Svalbar und nahm das „dagens“, also das Tagesgericht. Wieder sehr schmackhaft, Geflügelschenkel mit Kartoffelspalten, Gemüse und einer Sauce und das wieder zum sehr günstigen Preis.
Trotzdem ich ja später noch die „Ölprobe“ (Ølsmaking på 78 grader nord), also die Brauerei-Führung bei der „Svalbard Bryggeri“ hatte, stimmte ich mit einem IPA ein. Zum Glück hatte ich die Uhrzeit noch mal geprüft, ich hatte 17 Uhr im Kopf abgespeichert, aber es startete ja erst um 18 Uhr. Zeit noch mal die Hufe zu schwingen und das überflüssige Stativ auf dem Zimmer los zu werden. Der Weg zur Bryggeri ist recht lange, 3,5 km, mit langsamen Schritten war ich dann ein paar Minuten früher angekommen, zeitgleich mit zwei anderen Teilnehmern, aus Polen. Wir waren gerade die Treppe in das Probierzimmer hoch gelaufen, hatten uns kurz vorgestellt und gesetzt, kamen die beiden anderen Teilnehmer. Ida, die Vortragende, bat diese beiden sich am bereits präparierten Tisch zu uns zu setzen. Darauf die gerade angekommene Frau (die sich später als Anneliese vorstellte), nein, da setzt sie sich nicht hin, aber in was für einem Ton, ich dachte, na das wird ja lustig.
Ida war sichtlich auch not amused und um Fassung bemüht. Sie versuchte klar zu machen, dass man während der Führung nicht wie die drei Erstangekommenen die ganze Zeit in den Brauraum runter gucken muss, aber das störte Anneliese nicht und setzte sich an den Nachbartisch. Ida räumte dann das Holzbrett mit den fünf kleinen Probierglässchen um, leicht frostige Stimmung. Aber ich glaube Ida hatte da schon zickigere Gäste und startete einfach mit ihrem Vortrag.
Die ganze Story kreiste um den Gründer der Brauerei Robert Johansen, eigentlich arbeitet er zu 100% als Pilot, die Brauerei selbst betreiben drei Leute Vollzeit. Frühere Jobs waren nicht minder aufregend, U-Boot-Fahrer für Touristen in Italien, Hot-Dog-Verkäufer auf den Lofoten. Ein Teil dieser Geschichten hatte ich ja schon in einem deutschen TV-Beitrag gesehen in dem Robert kürzlich zu sehen war. Speziell die fast sechs Jahre dauernde notwendige Gesetzesänderung die notwendig war, damit er hier auf Svalbar überhaupt Bier brauen durfte, muss wohl sehr nervenaufreibend gewesen sein. Die Staatsministerin Erna Solberg persönlich soll Robert nach der Erteilung der Lizenz gesagt haben, dass er nun nicht mehr ihre Leute nerven soll, was wohl aber freundlich gemeint sein muss.
Der Grund warum man hier keinen Alkohol herstellen durfte ist nicht schwer zu verstehen. Als die Tätigkeiten hier vor gut 100 Jahren in den Minen aufgenommen wurden, war das ein einziger Männerhaufen, Frauen gab es keine. Es war eine sehr harte Arbeit, Alkoholmissbrauch an der Tagesordnung. Da wurde das Herstellen von Alkohol einfach verboten. Noch heute ist es so, dass alle Leute die hier fest Leben jedes Jahr ein Kontingent an unterschiedlichen Alkoholika bekommen, für Hochprozentiges, für Champagner und Wein und für Bier. Wenn man das im Supermarkt kauft und meines Wissens nach hat nur der COOP einen solchen Bereich wo man es überhaupt kaufen kann, dann muss man seine Karte (wie eine Kreditkarte) vorweisen und es wird vermerkt. Aber Ida sagt, das wäre alles OK. Zu Hause trinke man eher selten, man geht aus in die Kneipen und trifft sich mit Leuten. Und da kann man trinken so viel man will.
Eigentlich war der Plan das Bier für den lokalen Markt hier in Longyearbyen zu brauen, es war und ist das einzige lokal hergestellte Produkt. Wenngleich (fast) alles was man dazu noch benötigt aus der ganzen Welt heran gekarrt werden muss. Das einzige was von hier stammt ist das Wasser.
Ein paar (schon wieder veraltete) Fakten von der Homepage:
Tall & sånt:
• Spitsbergen øl er 94 % Svalbard og kun 6% import.
• 16 % av vårt fantastiske vann kommer fra den 2.000 år gamle Bogerbreen.
• Bryggeriet er 750 kvm. stort, med 6,5 m høyde.
• Bryggehuset tar 2.000 liter og har en årlig kapasitet på 1 million liter.
• 4 tanker á 4.000 liter, med en maks. årlig kapasitet på 250.000 liter.
• Vi produserer i 0,33 boks i tillegg til 30 liter keykeg for utelivsbransjen.
• Boksmaskinen har kapasitet på 2.000 stk per time.
• Det går med 3 liter vann for å produsere 1 liter øl.
• Vi bruker 450 kg malt for å lage 2.000 liter øl med 4,7 vol-%.
• Vårt mål er å produsere 150.000 liter øl i 2016.
Figuren & Zeug:
• Svalbard-Bier ist 94% Svalbard und nur zu 6% importiert.
• 16% unseres fantastischen Wassers stammt vom 2000 Jahre alten Bogerbreen.
• Die Brauerei ist 750 m² groß, mit einer Höhe von 6,5 m.
• Das Brauhaus fasst 2.000 Liter und hat eine Jahreskapazität von 1 Million Litern.
• 4 Tanks à 4.000 Liter mit einer max. Jahreskapazität von 250.000 Litern.
• Wir produzieren in 0,33 Büchsen zusätzlich zu 30 Liter Keykeg für die Nightlife-Industrie.
• Die Abfüllmaschine hat eine Kapazität von 2.000 Stück pro Stunde.
• Mit 3 Liter Wasser wird 1 Liter Bier produziert.
• Wir verwenden 450 kg Malz, um 2.000 Liter Bier mit 4,7 Volumenprozent herzustellen.
• Unser Ziel ist es, 2016 150.000 Liter Bier herzustellen.
Irgendwann erhielten sie einen Anruf von Norwegian Airlines, sie hätten gerne 9.000 Büchsen Pilsener pro Monat. Das muss eine Herausforderung gewesen sein, denn von der Bestellung bis zur Lieferung der Rohware können mehrere Tage vergehen. Dann wollte Norwegian noch mehr Ware, schwenkte aber auf IPA um, welches sich schneller herstellen lässt.
Beim Thema Jahreszeiten stellte sich heraus, dass der „Sommer“ gar nicht so toll ist. a) Die Stadt würde überflutet von den Kreuzfahrtschiff-Touristen, es gibt Schiffe die kippen 6.000 Leute von Bord. b) Die ewige Sonne, die schlimmstenfalls genau nachts richtig stört. c) Temperaturen die wahrlich kein Sommerfeeling aufkommen lassen. Jeder ist froh, wenn er im Sommer wirklich wo hin kann wo auch Sommer ist.
Eigentlich sollte die Veranstaltung ja um 19:30 Uhr enden, es wäre noch genügend Zeit gewesen in Ruhe zum Kulturhuset zu laufen. Beim Blick auf die Uhr war es dann plötzlich 19:58 Uhr. Aber Ida fuhr auch wieder zurück in die Stadt und nahm Anneliese und Begleitung und mich in ihrem Lieferwagen mit. Ich saß im Gepäckraum 😎
Wie angenommen, es war noch genügend Zeit bis der Konzertabend begann. Erste Band war Eberson. Ja, gut, das war schön. In der Pause hatte ich mich mit den beiden Ungarn (also Anneliese und Begleitung) etwas unterhalten. Irgendwie ein seltsames Pärchen, Details möchte ich jetzt hier keine weiter ausbreiten.
Gestern Abend war mir ein Mann im Publikum aufgefallen, wo ich mir noch dachte, das Gesicht kenne ich. Als ich vorhin an der Wand im Probierraum der Brauerei ein Foto von Robert sah, wusste ich wer es war, der Brau-Chef selbst. Und auch heute Abend war er auf den Konzerten zu sehen.
Zweites Konzert war dann Hellbillies. Purer unverschnörkelter Rock, Klasse. Der Saal war brechend voll und die Stimmung am Kochen. Bei vielen Liedern wurde lauthals mitgesungen, auch von jungen Leuten, die zur Geburtsstunde der Songs vermutlich noch gar nicht auf der Welt waren. Incl. einiger Zugaben war dann um ca. Mitternacht Ende. Es standen schon Busse bereit die die weiter feierlaunige Gesellschaft zum Huset brachte, zu „Circus Dos Mosquitos“. Ich genehmigte mir noch ein IPA in der Svalbar, sozusagen auf dem Weg. Sich nicht mehr so dick angezogen zu haben zahlte sich aus, man kochte nicht mehr bei der Ankunft in Nybyen.