01.02.2019 Longyearbyen 30.01—01.02.2019


Fr 01.02.2019 Longyearbyen

Unterkunft

vv_Longyearbyen

fc_Longyearbyen

SunriseSunset

Um 20:00 Uhr starten die Abendkonzerte im Kulturhuset mit GURLS und um 22:00 Uhr Sol Heilo.

Spät aufgestanden, spätes Frühstück, dann im Frühstücksraum sitzen geblieben, relaxen, schreiben. Es ist jetzt knapp 11 Uhr und draußen wird es langsam, naja, hell, kann man noch nicht wirklich sagen, es dämmert aber.

Auf der YR-Seite lese ich einen Artikel über die arktische Kälte in Teilen der USA. Und der Trump gibt auch mal wieder seinen Senf dazu: „In the beautiful Midwest, windchill temperatures are reaching minus 60 degrees, the coldest ever recorded. In coming days, expected to get even colder. People can’t last outside even for minutes. What the hell is going on with Global Waming? Please come back fast, we need you!“

Da möchte man wirklich schreien über so einen Unfug, was für ein Vollpfosten! Schlimmer noch dass so viele Idioten, sorry, anders kann man die nicht nennen, den auch noch gewählt haben und vermutlich noch mal wählen werden. Man fragt sich wirklich ist der so beschränkt oder steckt da Methode dahinter. Herr, lass Hirn regnen…

Antworten auf Twitter auf seinen Post lauten:
„It’s 122 degrees in Australia right now you freaking idiot. Fish are washing up dead on the beaches from the heat.“
„Next he'll tell Australia to build a wall to keep the heat out.“

Dem ist nichts hinzuzufügen. Mit „122 degrees“ sind übrigens °F (Grad Fahrenheit) gemeint, das entspricht ziemlich genau 50 °C. Ganz ehrlich, mir wären +40 °C schon zu viel. Gegen Kälte kann man heute was tun, gute Klamotten gibt es genügend, aber gegen brutale Hitze… Wenn man mal in der Badehose da sitzt sind die Möglichkeiten ausgeschöpft, ohne Klimaanlage ist da Ende Gelände. Und der Trump will den Klimawandel zurück. Amerikaner, besinnt euch und kickt den Idioten in den Orkus.

Jetzt ist es 12 Uhr, doch langsam mal Zeit die Hufe zu schwingen.

Foto-Shooting-Tour von Nybyen bis zum UNIS-Gebäude. Temperatur liegt bei -3,nochwas°C, es ist quasi windstill. In der Svalbar bietet das „dagens“, also das Tagesgericht, „Fredagsbiffen“. Was ein Frevel, Freitag und auf der Karte steht Fleisch, aber Rom ist weit, was der Pope dazu sagen würde interessiert hier keinen, zum Glück. Was auch immer das Fredagsbiffen ist, das ist gebongt. --- Ja sapperlot, das ist feinstes Filet mit einer leckeren Sauce dabei, potzblitz. Und das für 12 Euro „Ebbes“, sensationell! Das IPA kostet 84 NOK, also ca. 8,70 €, für einen halben Liter, ein absolutes Schnäppchen.

Ein erneuter Check der Vorhersage für nordlys bringt etwas widersprüchliche Ergebnisse, die Seite sagt es wäre bewölkt, was es vorhin augenscheinlich nicht war, allerdings liegt der Ring in dem potentiell Nordlichter auftreten können eher südlich von Svalbard und er driftet mit der Zeit auch weiter ab nach Süden. Sei es drum, es kommt wie es kommt oder auch nicht. Die Tour mit dem Snowcat in die freie Wildnis sollte schon ein Abenteuer für sich sein.

YR sagt bzgl. Wolken „lettsyket“, also leicht bewölkt.

Der Konzertabend heute beginnt mit „GURLS“, die übrigens auch schon gestern angereist sind, dann kommt „Sol Heilo“, was auch immer genau das bedeutet, irgendwas mit „Sonne“. Aha, da steht es ja, „Goldregenpfeifer“, ich bin gespannt.

Schlagartig kommt Stimmung auf in der Svalbar, es füllt sich. Bis zum Treffpunkt für die nordlystur ist es noch etwas Zeit und der Weg von hier aus auch nur ein Katzensprung.

Tja, das Fazit der nordlystur ist, Nordlicht gesehen haben wir, aber auf aller, aller unterster Stufe, es war nur ein Hauch, ganz tief über dem Horizont. Alle meine Versuche es fotografisch festzuhalten sind gescheitert, allerdings vermutlich auch, weil ich irgendwas falsch gemacht hatte. Denn an der Stelle wo wir einen Halt am alten Landeplatz gemacht hatten, wo man einen eingeschneiten Motorblock einer abgestürzten Militärmaschine aus dem zweiten Weltkrieg sehen konnte, war es durch die Scheinwerfer hell genug und man kann auf den Fotos fast nichts erkennen. Selten dämlich.

Zwar soll Svalbard der, für Normalsterbliche, einzige Ort auf der Welt sein, an dem man auch während des Tages (in der Polarnacht zwischen Mitte November und Ende Januar) Polarlichter sehen kann, aber das es hier jeden Tag was am Himmel zu beobachten gibt wäre natürlich ein Trugschluss. Auf diese Situation stellen sich natürlich auch diese Nordlicht-Touren ein. Erster Halt, am Polarbär-Achtung-Schild an der Straße zur Grube 7. Das ist immer ein Fotomotiv. Der nächste Halt war dann besagter alter Landeplatz mit den Resten des zerstörten Flugzeugs. Von dort aus konnte man auch die Grube 7 sehen, ebenfalls eine alte Taubanesentrale (Seilbahnzentrale der Kohletransport-Anlage), die zwar lange nicht mehr in Betrieb ist, aber als erhaltenswertes Kulturgut erhellt mitten in der Landschaft steht. Auch zu sehen waren vier Hunde-Dingens, und Longyearbyen war mehr oder weniger die ganze Zeit in Sichtweite.

An einer Stelle an der wir anhielten war augenscheinlich nichts zu sehen, was nicht an der Dunkelheit lag. Wir standen auf einem „Pingu“ (äh, nee, Mist, hieß das wirklich so. Wenn man danach sucht kommt nur was mit einem Stofftier). Egal, diese „Dinger“ hat es sehr häufig auf Svalbard, insgesamt gibt es 20.000 davon. Im Prinzip herrscht ja hier Permafrostboden, aber irgendwo in der Tiefe fließt trotzdem Grundwasser und an einigen Stellen sucht sich dieses Wasser einen Weg an die Oberfläche und bildet dann wie bei Vulkanen eine leichte Erhebung die aus Eis besteht. Da meistens dann doch auch Schnee und Erde drauf liegt sieht ein ungeübtes Auge das natürlich nicht. Ja, klar, die Dinger heißen natürlich Pingo.

Bei der Gelegenheit habe ich Tour-Guide Marie gefragt, wann man denn eigentlich mal die LKW sehen kann, die die Kohle von Grube 7 entweder an den Hafen zum Abtransport oder zum Energiverket zur lokalen Energiegewinnung bringen. Sie sagte, eigentlich ständig würden diese LKW fahren, uns sei sogar einer auf der Straße begegnet, aber sie seien eher unscheinbar. Wenn ich es richtig verstanden habe, dann arbeiten derzeit in der Grube etwa zwanzig Leute, da dürfte sich die geförderte Menge an Material auch in Grenzen halten.

Also im Prinzip wird das umgesetzt, was ich vor Jahren gelesen hatte, die Kohleindustrie wird zurück gefahren, viele Mineure wurden entlassen. Aber wieso wurden dann gerade erst 60 neue Unterkünfte gebaut, wollte ich von ihr wissen. Sie meinte, es herrscht akuter Wohnungsmangel hier. Grund sei das Lawinenunglück, bin mir nicht mehr sicher, war das Ende 2016 oder 2017. Da sind zwar nicht so viele Häuser zerstört worden, aber trotzdem wurden viele Behausungen geschlossen.

Beim Thema Kohle kamen wir auch auf Energie zu sprechen und ich erwähnte, dass ich 2018 einen Tesla-SUV hier gesehen hätte. Ja, darüber haben sich alle lustig gemacht. Und jetzt kommt der Knaller, der Typ der den fährt ist ein Politiker von der Miljøpartiet De Grønne („Die Grünen“). Das schlägt natürlich dem Fass den Boden aus.

Am letzten Halt gab es was Heißes zu trinken, entweder Kaffee oder, Gedächtnis hilf mir auf die Sprünge, es sei eine lokale Spezialität, wie hieß das noch? Hauptzutat ist auf jeden Fall Solbær. Es schmeckt ein wenig nach Glühwein, nur ohne Alkohol.

Erwähnt werden sollte noch, diese Tour fand in einem Snowcat statt. Naja, genau genommen zog das Snowcat (also eine Art Pistenraupe) einen ebenfalls auf Raupen gezogenen großen Anhänger. Darin wurde man ordentlich durchgerüttelt.

Die Tour war ziemlich pünktlich zu Ende, vom Endpunkt am Radisson Blu Polar Hotel sind es nur wenige Meter zum Kulturhuset. Auch heute war um 20 Uhr noch nicht allzu viel los. Direkt vor der Bühne hatte es drei vom restlichen Auditorium etwas abgetrennte Stuhlreihen. Fand ich jetzt von der Atmosphäre her etwas uncool, weil man dann als normaler Zuschauer noch etwas weiter vom Geschehen entfernt war.

Der Abend wurde eingeleitet von GURLS, drei junge Frauen, Sax, Kontrabass und Gesang. Das ganze kam dem Begriff „Jazz“ schon sehr nahe. Der Auftritt war nicht sehr lange, geschätzt vielleicht eine gute Stunde, es gab eine Zugabe. Hat mir sehr gut gefallen. Dann wieder das gleiche Spiel wie gestern Abend, alle raus aus dem Saal. Lange Wartezeit, dürfte ca. eine dreiviertel Stunde gedauert haben, bis es mit Sol Heilo weiter ging. Um es kurz zu machen, bis auf einen Song hat mir das nicht gefallen. In meiner Erinnerung das mit Abstand, für meinen Geschmack, schlechteste Konzert in vier Jahren. Fast zum Glück muss man sagen, war weit vor Mitternacht Schluss.

Wie zur Versöhnung war kurz bevor ich wieder an der Unterkunft ankam etwas Nordlicht zu sehen, etwas stärker und näher als vorhin während der Tour.


Longyearbyen Fr 01.02.2019 Longyearbyen; ‚Coal Miners’ Cabins‘ / Karte
Fr 01.02.2019 Longyearbyen; ‚Coal Miners’ Cabins‘ / Karte
Longyearbyen Fr 01.02.2019 Longyearbyen; ‚Coal Miners’ Cabins‘ / Karte
Fr 01.02.2019 Longyearbyen; ‚Coal Miners’ Cabins‘ / Karte
Longyearbyen Am Ende von Nybyen mit Blick in Richtung Adventfjord der hier endet und in das Adventdalen mündet.
Am Ende von Nybyen mit Blick in Richtung Adventfjord der hier endet und in das Adventdalen mündet.
Longyearbyen To the west, just on the other side of the river, is a place called Sverdrupbyen, named after Einar Sverdrup (1895/1942), the managing director of the mining...
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Longyearbyen Was war das nun noch für ein Berg?
Was war das nun noch für ein Berg?
Longyearbyen Am Weg 106, zwischen Nybyen und Huset mit Blick auf den Hauptort
Am Weg 106, zwischen Nybyen und Huset mit Blick auf den Hauptort
Longyearbyen Am Weg 106, zwischen Nybyen und Huset mit Blick auf den Hauptort
Am Weg 106, zwischen Nybyen und Huset mit Blick auf den Hauptort
Longyearbyen Nybyen
Nybyen
Longyearbyen Nun schon fast im „Zentrum“ angekommen
Nun schon fast im „Zentrum“ angekommen
Longyearbyen Die kleine Kirche
Die kleine Kirche
Longyearbyen Die Hauptstraße
Die Hauptstraße
Longyearbyen Die Hauptstraße
Die Hauptstraße
Longyearbyen Das UNIS-Gebäude
Das UNIS-Gebäude
Longyearbyen Das UNIS-Gebäude
Das UNIS-Gebäude
Longyearbyen Am Radisson Blu Polar Hotel wird noch gebaut
Am Radisson Blu Polar Hotel wird noch gebaut
Longyearbyen -3°C und gefühlt -9,1°C
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Longyearbyen Leicht gelbe Farbe ist schon selten, aber wirklich genutzt hat es nix. Die Sonne kommt zurück in 14 Tagen, 17 Stunden, 50 Minuten und 29 Sekunden. Das bedeutet,...
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Longyearbyen Sie sehen, dass sie nichts sehen. Hier sollte eigentlich Polarlicht zu sehen sein, aber ich habe alle Aufnahmen versemmelt!
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„GURLS“ Fredag 1. februar | 20:00 | GURLS | Kulturhuset
Fredag 1. februar | 20:00 | GURLS | Kulturhuset
„Sol Heilo“ Fredag 1. februar | 22:00 | Sol Heilo | Kulturhuset | Mein Urteil fasst dass gut zusammen: „Musik wird oft nicht schön gefunden, weil sie stets mit Geräusch...
Fredag 1. februar | 22:00 | Sol Heilo | Kulturhuset | Mein Urteil fasst dass gut zusammen: „Musik wird oft nicht schön gefunden, weil sie stets mit Geräusch…

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