Unterkunft
SunriseSunset
MoonriseMoonset
Das Festival Programm heute.
Svalbard Kirke
- „Eva Weel Skram“ 18:00 Uhr
Einschub: Die Wetteraussichten heute sind ja wirklich deprimierend, Tageshöchsttemperaturen von bis zu 3 °C und zwar durchgehend, begleitet von Windgeschwindigkeiten bis zu 19 m/s, in Spitzen bis zu 27 m/s, das würde ich mal sagen ist schon mehr als nur ein heftiges Stürmchen. Einschub Ende.
Man kommt sich vor wie wenn man für Wochen nichts anderes gemacht hätte. Naja, Routine lässt sich das sicherlich doch noch nicht nennen. Heute steht also das letzte Konzert an. Das hatte ich bisher auch noch nicht, das erste und letzte Konzert auf dem Festival. Nach dem Frühstück steht dann die lange Schreibstunde an.
Aber das kann man ja nun nicht wirklich machen, den ganzen Tag im Hotel rum hocken. Also, die Hufen schwingen. Ja, das ist wirklich ziemlich warm draußen, man merkt es am Schnee, er ist „stumpf“, stellenweise sieht das spiegelglatt aus, aber ich habe mir prophylaktisch die kleinen Spikes unter geschnallt und das gibt einen super sicheren Grip.
Ich gehe runter zur UNIS, dort steht eine digitale Anzeige mit der aktuellen Wettersituation an unterschiedlichen Orten. Die lokale Temperatur beträgt +3 °C. PLUS. Selbst an Ecken wo man es normalerweise noch deutlich kälter als in Longyearbyen hat liegen die Temperaturen über dem Gefrierpunkt.
Einschub: Ich sitze in der „Svalbar“ und drei Leute haben sich neben mich gesetzt, einer spricht native English, eine Frau sitzt dabei und ein anderer Mann spricht. Dann sagt eben dieser Mann, dass er bald eine Platte raus bringt. Ich schaue zur Seite, wer sitzt da: Bugge Wesseltoft himself. Dann schaue ich mir den anderen Mann noch mal an, das müsste der gewesen sein, der bei der Show für die Bilder zuständig war. Wenige Minuten später gucke ich aus dem Fenster der „Svalbar“ und meine schemenhaft die Pfarrerin zu erkennen, sie hat einen markanten Haarschnitt. Ein paar Sekunden später stehen sie am Nebentisch und gesellen sich dazu. Klar, da sitzen die drei Männer zusammen die maßgeblich an diesem Konzert beteiligt waren. Einschub Ende. Nein, ich setze noch mal fort. Man müsste sich ja die Ohren mit Wachs verschließen, um nichts mehr zu hören was gesprochen wird, es ist definitiv nicht möglich. Da kommen Dinge zur Sprache die sicherlich nur wenige erfahren. Irgendwie gab es am Tag des großen Konzerts Probleme mit dem „Grand Piano“, es war wohl kein Kran vor Ort, ihn auf die Bühne zu heben. Die Frage steht im Raum, ob es bei den drei Herren schlaflose Nächte gab, ja, gab es. Auch in Norwegen soll der Kulturetat zusammengestrichen werden, obwohl die Ausgaben darin verschwindend gering sind, man damit aber Stimmung bei den (dummen) Wählern machen kann. Irgendwie fast schon „beruhigend“, dass es dumme Leute auch in anderen Ländern gibt. Naja, natürlich nicht beruhigend, sondern erschreckend. Und Bugge fügt hinzu, dass die Kulturschaffenden auch einen Teil der „Kohle“ in ein Land bringen.
Gerade machen sie sich über die verschiedenen Fotografen lustig, die sich wohl nicht alle ganz so „smart“ angestellt haben. Ich hatte mir heute auf Empfehlung von A. mal versucht den Instagram-Kanal des Festivals anzuschauen. WTF, das klappt nur, wenn man dort einen Account hat. Dreckding. Auf Facebook hatte ich mal vorbei geschaut, da gab es pro Konzert 3-4 Bilder, naja, was will ich damit, das ist doch lachhaft. Und meiner bescheidenen Meinung nach waren die Bilder von Johannes (Nachnahme fällt mir gerade nicht ein), der die Bilder früher vom Festival auf Flickr veröffentlichte deutlich professioneller. Einschub wirklich beendet. Es ist einfach herrlich immer wieder ein Gedankenfetzen aufzuschnappen und mitzubekommen wie diese Leute (Künstler) so ticken.
Ich kehre zurück ins Hotel, oder, nein, ich bin gleich ins „Kroa“. Es ist noch etwas Zeit bis das letzte Konzert beginnt. Aber ich muss die Uhr im Blick behalten, zur Kirche zu laufen dauert ein wenig. Ich breche auf, draußen ist es gefühlt immer noch sehr warm, der Schnee hat sich weiter verdichtet und selbst mit meinen neuen Schuhen habe ich null Grip. Also heißt es flotten Schrittes dahin zu gleiten und trotzdem nicht auf die Waffel zu fallen. Aber ich komme gute in der Zeit an, jede Menge Leute stehen noch im Eingangsbereich. Vorausschauend habe ich mir meine eigenen neuen (hier gekauften) Tøfler (Hausschuhe) mitgebracht. Nach ein paar Minuten geht es dann los, es ist Einlass. Ganz unten steht die „Schuhkontrolle“, drei junge Mädchen halten Ausschau nach Leuten die noch ihre Straßenschuhe anhaben.
Wow, die Bestuhlung reicht bis in den hintersten Bereich. Das Konzert ist wohl ausverkauft. Die Pastorin spricht noch ein paar einleitende technische Worte. Allen muss aus brandschutztechnischen Gründen klar sein, dass sie ihren Fahrzeugschlüssel einstecken haben müssen, nicht evtl. in der Jacke die an der Garderobe hängt. Und das im Falle eines Brandes die Autos in Richtung Süden fahren müssen, damit die Feuerwehr vom Norden anrücken kann. Solche Auflagen gibt es sicherlich nicht in vielen Kirchen.
Auftritt „Eva Weel Skram“. Genau bedeutet das sie und ihr Ehemann treten auf. Er spielt Gitarre, sie spielt am E-Piano oder auch an der Gitarre und singt.
Alle Lieder wurden auf Norwegisch vorgetragen, außer einem. Sie fragte sogar explizit ob im Publikum Leute dabei wären die kein Norwegisch sprechen. Es gingen wohl ein paar wenige Hände hoch. Hier erzählte sie auch die Vorgeschichte zum Lied in English. Sie hat ja einen sehr kurzen Vornamen und als Kind wünschte sie sich immer einen anderen Namen, Johanna.
Es war ein wirklich schönes Konzert und das Publikum war sehr begeistert. Es gab dann zwei Zugaben oder waren es sogar drei.
Die Zeit war nun doch schon fortgeschritten. Da ich aber keine Spikes untergeschnallt hatte, war es angesagt vorsichtigen Schrittes den Rückweg anzutreten, die Wärme sorgte dafür dass Wege und Straßen teilweise ziemlich glatt waren. Kurz zurück ins Hotel, Notebook schnappen und stante pede in die Svalbar.
Damit schließt sich die Berichtserstattung für heute.
Krass, zu Hause soll es morgen früh etwas kälter werden als hier.